Suicide

Heute war, beziehungsweise ist immer noch ein ganz definitiv toller Tag. Wir musste erst um 9 Aufstehen, damit geht’s schon los. Und ich habe Zeit, Blogmäßig aufzuholen. Aber von Anfang an.

Der ursprüngliche Plan für heute war ziemlich simpel. Wir stehen gemütlich auf, fahren dann im Laufe des Tages durch den Burren und zu den Cliffs of Moher, um dann des Abends in Killarney im Hostel einzuchecken.

Wir standen gemütlich auf. Zum ersten Mal konnten wir das tun. Wir hatten eine Bustour durch den Burren und zu den Cliffs of Moher gebucht. Einziges Manko – wir landeten am Ende wieder in Galway und sitzen deswegen erst jetzt (19.00 Uhr) in einem Bus auf dem Weg nach Killarney und sind erst in 3 Stunden dort. Aber jetzt erstmal ein paar Infos zu dem heutigen Tage:

Nachdem wir gemütlich aufstanden, checkten wir aus und bewegten uns in Richtung Busbahnhof, um dort unseren Tourbus zu besteigen (Ich fühl mich langsam wir ein Bandmitglied, so viel wie wir mit dem Bus unterwegs sind!). Die Menschen wirkten alle recht sympathisch und uns wurde aus versichert, dass wir unseren Bus am Abend erwischen werden. Und los geht die Fahrt, laut Fahrer und Guide eine Rollercoastertour.

Durch Galway hindurch bekamen wir noch einige Infos über die Stadt (bzw. eigentlich nur die Krankenhäuser der Stadt, wieso auch immer), wir verließen sie und fuhren in Richtung Burren. Auf dem Weg passierten wir noch eine Ruine, die wir allerdings laut Fahreraussage erst auf dem Rückweg besuchen würden, da sie dann in der Flut schöner aussieht, als gerade, während der Ebbe. Also zuerst in den Burren. Für alle, die sich jetzt schon fragen: Der Typ redet die ganze Zeit von einem „Burren“. Aber was ist ein Burren?! Der Burren ist eine Karstlandschaft in Westirland und Teil des „Wild Atlantic Way“. Sie entstand, als dieser Teil Irlands noch unter Wasser lag, weswegen es sich um eine verschachtelte Felslandschaft handelt, die sehr karg wirkt und aus felsigem Gebiet besteht, auf dem augenscheinlich nichts wächst. De facto ist besagter Burren aber sogar eine der reichhaltigsten Vegetationsgebiete Europas, da zwischen den Felsspalten lauter unterschiedliche Pflanzen wachsen, die man dort eigentlich nicht finden können sollte. Unser erster Halt war eine Höhle, in welcher wir an einer Führung teilnahmen. Sie war sehr interesannt und Jonas fand es mal wieder sehr faszinierend, was für Strukturen sich auf diesem Planeten natürlich bilden können.

„Praying Hands“ – natürlich entstanden
unterirdischer Wasserfall

Während der Fahrt erzählte der Fahrer viel, unzusammenhängend – man hatte das Gefühl, er redet, was ihm grad in den Sinn kommt, was aber durchaus interesannt und er sehr sympathisch war. Da er nur am Anfang sagte, er sei eher der ruhige Typ, der nicht so viel sagen würde, war ebendiese aussage, eindeutig nicht zu bejahen. So erreichten wir schließlich die Cliffs of Moher (bekannt aus Filmen wie „Harry Potter und der Halbblutprinz“ – wenn jemand den gesehen hat).

Klippäääään

Diese großen und hohen Klippen waren sehr beeindruckend und touristisch ausgesprochen gut erschlossen – zumindest 500m in jede Richtung gab es Absperrungen, befestigte Wege und viele Guards.

Jonas vor Klippen
abgesetzter Stein vor der Küste vor Klippen im Wasser

Ein Stück darüber hinaus konnte man sich nah an den Rand heranwagen, wenn man sich denn heranwagte – da es 250m in die Tiefe geht, ist etwas Vorsicht wohl nicht die dümmste Idee. Jonas war in einer Fotostimmung, was Theresa eher suboptimal fand, aber letztlich genossen beide dieses enorme Naturdenkmal sehr ausführlich. Durch das bewölkte Wetter kamen die rauen Klippen fast noch besser zur Geltung.

so nebenbei – Ort mit der höchsten Selbstmordrate Irlands
Theresa vor Klippen
Theresa und Jonas (v.l.n.r.) vor Klippen
Möwen vor Möwen in Klippen auf Klippen
Klippen mit Klippen im Vordergrund und Menschen auf Klippen und abgesetzter Stein vor Klippen im Meer (Ja, ich war in Fotostimmung….)

Im Anschluss kehrten wir in einem Pub ein, um dort zu Mittag zu Essen. Das Essen war gut, das Trinken auch, Jonas kämpfte nur minutenlang mit einer Flasche, bis diese ihren Inhalt endlich freigab – dann allerdings sogar etwas zu gut. Wo der Flaschendeckel gelandet ist, bleibt weiterhin ein Rätsel. Ebenso der Apfel, den wir kurz darauf im Bus fallen ließen.

Gestärkt ging es weiter, wieder zurück in den Burren. Dort machten wir noch einen Fotostopp bei eine weiteren niedrigeren (Aber immer noch hoch genügen) Klippenformation umgeben von Karstlandschaft. Man hatte ein wenig das Gefühl, auf einem fremden Planeten zu sein, was Jonas an den Star Wars Dreh erinnerte, der ja bis vor Kurzem in Irland vonstatten ging.

„Kleinere“ Klippen – nurmehr 147 ft
Der Burren – anderer Planet, gefühlt
SELFIETIME!!! (Diese Bildunterschrift wird Ihnen präsentiert von Jonas und NICHT Theresa, welche damit nicht einverstanden und zufrieden ist.)
Theresa neben großen Stein in Karstlandschaft über Meer auf Klippen zugehend. JPG auf Computerbildschirm. 2016.
eine der wirklich großen Straßen in diesem Land

Der letzte Stopp war besagte Burgruine vom Anfang – wir wurden nicht angelogen: MIT Wasser sah der Galway Bay definitiv hübscher aus als ohne.

Wenn ich jetzt wüsste, wie das ding hies, würd ichs euch sagen… ehrlich!
hübsches kleines Dörfchen
Wie gestern auch heute wieder ein viel zu aufwendiges Bild mit Schwänen. Aber hübsch ist es geworden!

Wir landeten wieder rechtzeitig in Galway, verließen den Bus und gingen 100m zum Busbahnhof, um dort in den Bus von Galway nach Limerick zu steigen, in dem wir nun sitzen und in dem Jonas endlich dazu kommt, den Blog auf den aktuellen Stand zu bringen, während Theresa neben ihm sitzt und liest.

Der Preis für die kreativste Eigenwerbung geht heute an diesen Pub!

Connemara

Der Plan für heute war folgender: Wir stehen gemütlich auf, fahren rüber nach Galway, checken ein und machen uns einen schönen Nachmittag im Nationalpark Connemara.

Als der Wecker pünktlich um 5:30 klingelte, hatten wir das Gefühl, ein Auto wär doch schon was feines gewesen. Unsere Busverbindung fuhr um 7:00 Uhr morgens von Dublin Centre nach Galway und von dort hatten wir eine hübsche Connemara Tagestour gebucht. Doch nun erstmal schnell Aufstehen, heute hatten wir andere Verhältnisse – Jonas war müde, Theresa ziemlich fit. Schnell rausschauen, wann der Bus kommt, frühstücken, den Bus erwischen (Ja, tatsächlich!), früh genug in der Innenstadt sein, sich über den Spire aufregen, in einem McDonalds sitzen (und nichts Essen, nur die Wärme abgreifen) und schon begann die Fahrt, auf der wir nochmal etwas relaxen konnten.

Dublin ist grün. Im wörtlichsten Sinne

Jonas schrieb während der Fahrt den aktuellen Blogeintrag, da davor einfach keine Zeit dafür war, Theresa machte die Augen ein wenig zu und so ging die erste Fahrt nach Galway schnell zu Ende.

Dort erfuhren wir, dass wir praktischerweise für unsere Tagestour im gleichen Bus bleiben können, was wir natürlich ganz cool fanden – weniger Stress und Organisation ist immer schön. Der Fahrer wurde gewechselt – aus einem sympathischen Menschen, der keine Ahnung von Klimaanlagen hatte, wurde ein etwas älterer Herr, der ein wenig die Ausstrahlung eines Lehrers hatte. Als er losfuhr erklärte er uns erstmal ausführlich die Regeln, die während der Tour gelten und merkte irgendwann selbst, dass er wohl etwas oberlehrerhaft daherkam, worüber er dann einen Witz machte. recht schnell merken wir, dass er einfach einen sehr trockenen Humor besaß, der aber Spaß machte, sobald man ihn besser kennenlernte.

Also auf und davon ins Herzen Connemaras! Erster Stopp war eine Ruine eines alten Klosters, die sehr groß und imposant war und mittlerweile zu einem Friedhof umfunktioniert wurde. Dazu gab es viele Hintergrundinformationen, die Jonas gerade alle nicht im Kopf hat. (Nur so viel: Engländer sind nicht sehr gründlich im Zerstören von alten Kirchen)

Eine „zerstörte“ Klosterruine. Glaubenskriege hab ich noch nie verstanden – Anglikaner gegen Katholiken schon gleich 2 Mal nicht.

Nächster Stopp war ein nettes Örtchen namens Cong. Typischer irischer Dörfchenflair – kleine Häuser, enge Straßen, alles sehr schön anzusehen. 

sehr beeindruckende Skulptur
Zu diesem Foto: Der blöde Schwan musste unbedingt gerade essen, weswegen Jonas lange warten musste. Aber er hat es geschafft und war sehr stolz darüber!

Direkt nebenan fand sich ein wunderschönes Regenwaldgebiet, das Jonas mal wieder völlig fertigemacht hat, in seiner völligen geographischen Anpassung. Aber es war magisch und extrem schön und ruhig.

Die Brücke in den Märchenwald. Wortwörtlich.
Besagter Märchen/Regenwald
Diese irische Flora macht mich fertig…
Kleine Kirche in Cong

Im Anschluss fuhren wir durch Connemara. Landschaftlich sehr schön und weich – runde Straßen, viele Hügel und Schafe. Unmengen an Schafen, die überall frei herumlaufen. Nur einmal im Jahr werden sie zusammengetrieben und geschoren, ansonsten machen die das ganze Jahr über eigentlich ihr Ding und bevölkern die Gegend und meckern rum. Auch viel Torf gab es mal wieder – ein fossiler Brennstoff für die Bewohner, der quasi vor der Haustür liegt und dementsprechend sehr billig ist. Wir erfuhren auch nich viel über die Zeit der britischen Herrschaft und die irische Hungersnot – unglaublich, was für Bedingungen teilweise in diesem Land herrschten.

MÄHHH!!!
Gut, sie liest gerade, hoffentlich merkt sie das nicht: MÄÄHHHH die zweite!
ein Feenbaum (Die Iren haben es mit Fabelwesen, überall, find ich cool)

Der definitive Hauptstopp war aber ohne Zweifel Kylemore Abbey – wieder ein Ort, den wir ohne Bus niemals kennengelernt hätten, da wir gar nicht die Zeit gehabt hätten (Wir sehen das als positiven Aspekt des um 5:30 Aufstehens. Den einzigen. Aber besser als keiner muss man sagen). Besagte Abbey war Privatbesitz wohlhabender Leute und wurde später zu einem Kloster umfunktioniert. Es hat einen großen, schön angelegten Garten, ein riesiges Haupthaus und eine Kirche inklusive Mausoleum für die Frau des ehemaligen Besitzers. Umgeben ist all das von der wunderschönen, eigenartigen Landschaft Connemaras und über ihr wacht einen Jesusstatue. Die letzten Jahre (1921-2010) war Kylemore Abbey zusätzlich eine renommierte Mädchenprivatschule, die meiner Meinung nach auch ein wenig den Flair eines typischen englischen Gespensterfilms hätte. Für lachhafte 15000€/Jahr konnte man sein Kind dort im absoluten Nichts unterrichten lassen.

Kylemore Abbey Gardens
Da merkt man, wie der Wind geht. Wobei irische Bäume sowieso sonstwie wachsen.
Kylemore Abbey. wer findet die Jesusstatue?

Für Menschen, die Marley and Me gesehen haben: Besagter Film wurde auch teilweise in dieser Gegend gedreht und ein ansässiger Hundetrainer passte auf die 15 benötigten Labradore auf und wohnte mit Jennifer Aniston zusammen. Er soll in dieser Zeit sehr happy gewesen sein.

Schöne Landschaft über schönem See
Der „Kuppelberg“

Den Weg zurück machten wir noch den ein oder anderen Fotostop und landeten dann wieder (bzw. endlich) in Galway, holten unsere Koffer aus dem Bus und bewegten uns in Richtung Hostel. Nach guten 10 Minuten Fußweg kamen wir dort an, es handelte sich um ein hübsches babyblaues Häuschen, in welchem wir ein nettes kleines Zimmerchen hatten. Das Bett war bequem, das Bad sauber, nur das Wasser tröpfelte ein wenig vor sich hin. Aber bevor wir uns bettfertig machten, wollten wir nochmal zumindest kurz Galway ansehen. Die Fußgängerzone war nett, es gab einige Straßenmusiker und viele verschiedene Läden.

Ja, ich weiß, ich habs vermasselt. Keine Sorge, so betrunken waren wir nicht!

Letztlich fanden wir sogar einen Pub mit traditioneller irischer Livemusik, den wir noch kurz auf einen Drink besuchten, die Stimmung war gut, aber es war noch nicht überfüllt, wir hatten einen schönen Sitzplatz.

Hübscher Pub
The great musicians
Eyre Square (Auch bekannt als JFK Gedächtnisplatz)

Nach dem kurzen Ausflug in die Stadt duschten wir, Jonas bloggte, Theresa recherchierte Busse und wir mussten leider eine unserer Unterkünfte stornieren und durch eine andere ersetzen, aber dazu später mehr. Wir haben nun alles zu Ende geplant und können uns jetzt ganz auf die Reise freuen und das tun wir auch. Vor dem Schlafengehen versuchten wir noch, ein Skypestreitgespräch zu verstehen, was uns nur begrenzt gut gelang. Doch dann Licht aus. Und Bis morgen.

Cill Mhantáin

Da wir ja geniale Pläne hatten, die nun alle genial nicht funktionieren, schlage ich vor, einfach mal damit zu beginnen, was wir machen WOLLTEN und was wir dann letztlich getan haben.

Für den gestrigen Sonntag planten wir eine gemütliche Tour zu Glendalough in den Wicklow Mountains, ein County neben Dublin und beliebtes Naherholungsgebiet. Ausschlafen, gemütlich losfahren – ein entspannter Tag.

Der Wecker klingelte pünktlich um 7:45. Am Abend zuvor buchten wir eine Bustour durch die Wicklow Mountains derer wegen wir um 9 Uhr in der Dubliner Innenstadt sein mussten. Also standen wir auf – 9 Stunden Schlaf waren ganz angenehm, Jonas war ziemlich fit, Theresa noch etwas müde – frühstückten und gingen zum Bus. Der nicht kam. Also schon, aber erst in 35 Minuten, was definitiv zu spät war und uns wunderte. Wir studierten den Fahrplan nochmals und realisierten erst jetzt, dass dort immer die Abfahrtzeit vom Ursprungsort angegeben wird, was heißt, dass die Zeit, wann der Bus an der Bushaltestelle sein sollte eher Inhalt einer groben Schätzung ist. Wir hatten noch gute 40 Minuten bis Busabfahrt in der Innenstadt, also liefen wir los in Richtung Innenstadt, ohne genau zu wissen, wie lang die Strecke eigentlich war.

Es war zum Glück verhältnismäßig warm, was den Morgenspaziergang dann auch ganz nett, wenn auch stressig machte. Auf dem Weg begegneten wir einer Katze, die sofort zu Theresa lief und sich an sie schmiegte (es ist und bleibt mir ein großes Rätsel, wie diese Katzenlady das anstellt!).

5 Minuten vor Abfahrt waren wir dann letztlich da, setzten uns in den Bus und waren erstmal froh, zu sitzen. Wir hatten eine nette Guidin, die auf dem Weg durch Dublin schon einiges über die Stadt erzählte – auf diese 15 Minuten erfuhren wir wohl mehr über die Geschichte der Stadt als den ganzen Tag davor. Nun wussten wir auch, was es mit der omnipräsenten Jahreszahl 1916 auf sich hat, die hier alle feiern. In dem Jahr gab es die erstem Widerstände gegen die britische Staatsmacht, die dann letztlich viel später in der Unabhängigkeit endeten. Doch genug von irischer Geschichte – ab in die Wicklow Mountains – die per Definitionen eher Hügel sind, da fast alles unter 1000m hoch sind. Aber glaubt uns – wenn man da drin fährt, wirkt es wirklich sehr wie ein hohes Gebirge, allein schon wegen den fehlenden Bäumen.

Durch enge Straßen, die definitiv nicht für Busse gemacht waren, schlängelten wir uns zuerst nach Glencree (der erste Stopp, den wir durch den fehlenden Mietwagen gewonnen haben, um auch mal die Vorteile aufzuzeigen). Kurzzusammengefasst handelt es sich um ein Gebäude, das im Rahmen der „Operation Shamrock“ zu einem Waisenhaus für deutsche Kriegswaisen wurde. Es wurde nach den vermissten Eltern gesucht und wenn klar war, dass diese tot waren, kamen die Kinder in eine irische Familie. Direkt nebenan gab es einen deutschen Kriegsfriedhof, auf welchem die bekannten und unbekannten deutschen Opfer in Irland in den Weltkriegen ihre letzte Ruhe finden. Angelegt und Instandgehalten wird dieser Friedhof vom Verein deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. und er ist furchtbar deutsch. Am Eingang hängt erstmal eine Freidhofsordnung, in der darauf aufmerksam gemacht wird, dass abgelegter Grabschmuck eine Länge von 30cm nicht überschreiten darf und dass im Sommer erhöhte Brandgefahr durch ausgetrocknete Pflanzen gilt.

Deutschland gibt sich echt alle Mühe, in aller Welt als spießig zu wirken, aber es kam auch etwas unfreiwillig komisch rüber. Die Anlage war dennoch schön.

Weiter ging es über die „Military Road“, die im 18 Jahrhundert angelegt wurde, um in die Wicklow Mountains zu kommen, die bis dahin ein wunderbares Versteck für alle Art von Verbrechern und Deserteuren war (So Nebenbei: besagte Straße wurde von besagten Verbrechern und Deserteuren gebaut, da die Staatsmacht keine Fotos hatte und nicht wusste, dass jene ebendiese waren). Diese Straße zu bauen war verdammt schwer, denn sie führt durch ein Moor und Sumpfgebiet, was das mit dem Fundament erstmal schwer macht. Ungleich beeindruckender war die Fahrt durch die weiten Torflandschaften mit dem „Ikeafichten“. Man fühlte sich auf einem anderen Planeten und das nur 30 km jenseits von Dublin. Braveheart wurde hier übrigens zum Beispiel gedreht. Und P.S.: I love you, wenn den irgendwer kennen sollte. Der Himmel zog währenddessen auf und es wurde schön sonnig, was uns natürlich sehr freute.

Der nächste Stopp war dann Glendalough. Dies ist eine alte Ruinenanlage, mit Klostergebäuden von vor 1500-500 Jahren und einem riesigen Friedhof. Glendalough ist irisch und bedeutet so etwas wie „Ort mit 2 Seen“. Die beiden Seen gab es dort auch, der „Lower Lake“ und der „Upper Lake“. Wir hatten dort einen Aufenthalt von 90 Minuten, weswegen wir beschlossen, kurz durch die Ruinen zu streifen und dann einen Abstecher zum Upper Lake zu machen.

Die Landschaft war über alle Maßen beeindruckend und wunderschön. In der warmen Sonne spazierten wir schnellen Schrittes (den wir praktischerweise beide draufhaben, das ist ausgesprochen angenehm, außer wenn Leute vor uns sind) durch Wälder, die alle 100 Meter ihren Charakter von Blairwitch, über Monsterwald bis hin zu grazilem Feendomizil änderten um dann in Kroatien zu landen. Pardon, Amerika. Hmm… Halt Winnetouland! Eine See inmitten von Bergen, felsig, aber bewachsen mit Bäumen.

In der Ecke stand auch noch ein überdimensionaler Christbaum, auf dem man sitzen konnte. Wir entschieden uns aber für eine Bank am See und genossen die Stille einige Momente.

Zurück in der Ruinenanlage hatten wir einen Moment, uns auf das Gras zu legen und die schöne Sonnenstimmung zu genießen, ehe es in den Bus ging. Wir fuhren weiter, während unsere sympathische Guidin uns ununterbrochen Informationen entgegenschleuderte. Im Nachhinein muss ich leider zugeben, dass Theresa wohl besser zugehört hat, aber wir haben das fast schon zu Ende rekapituliert. Noch vorbei an einer Brücke in Avoca (Ich liebe diesen Namen! So heißt der Fluss, der da durchfließt. Und das Tal, sagt Theresa), deren Fluss mich sehr an Arkansas erinnerte.

Ausgesprochen braunes klares Wasser aufgrund der Torfgebiete ist auch der Grund dafür, wieso das Guiness ursprünglich diese charakteristische Farbe hatte.

Und dann (Sorry Nils für diese umeloquente Satzkonjunktion) ging es zum Essen nach Avoca Village, ein kleines Dorf mit einem netten Pub, in dem es Fish&Chips gab. Die nahmen wir und ein Hähnchenfleischgericht mit Salat und Knoblauchbrot (und Bacon). Jonas ertränkte seine Pommes in Essig und viel Mayonnaise, Wir teilten uns den Rest und schafften es fast, alles aufzuessen. War gut, würde ich im Nachhinein sagen (Der Fish am Anfang etwas zu trocken). Im Folgenden statteten wir dem Tourist Shop noch einen Besuch ab, in dem Jonas nach Bezahlung noch eine kleine Flöte mitgehen lies (Instrumente! Yay! Cool!) und schon ging es wieder auf den Rückweg. Hier machten wir beide unsere Augen ein wenig zu, so langsam kam die Müdigkeit wieder.

Sogar hier faken sie jetzt schon Eiffeltürme… Schrecklich!

In Dublin war das Wetter so schön, dass wir beschlossen, noch einen kleinen Spaziergang am Fluss zu machen, was wir dann auch in die Tat umsetzten.

Jonas vor dem Spire, der mit noch keinem Wort erwähnt wurde. 123m hohe Nadel mitten im Dubliner Zentrum, die irgendwie cool aussieht, aber irgendwie auch unnötig ist. Aber das cool überwiegt.
Hier noch einmal der Spire in einer Gesamtansaicht.

War ganz nett und vor allem schön sonnig. Jonas fand viele Haargummis und suchte nach dem Wort Tourette, Theresa war davon sichtlich amüsiert. Auf einer Brücke mit Palmen (die in diesem Land wirklich überall rumstehen) fand Jonas ein Mädchen, welches sich bereiterklärte, ein Foto von uns beiden zu machen und dann gar nicht mehr aufhörte. Sind hübsch geworden.

Der Bus nach Hause kam dort und dann, wann wir wollten, dass er das tat (Was in Dublin ja jetzt eher die Ausnahme war), weswegen wir recht schnell nach Hause kamen. Dort kochte Theresa und Jonas schrieb den Blogeintrag für DAY 1, währenddessen begannen beide, zu Essen. Es gab Nudeln mit Curry, war recht lecker nur das Salz fehlte, aber das fanden wir dann zum Glück auch. Und es war ein wenig zu viel, aber der Rest steht nun in Sam’s Kühlschrank und macht ihm hoffentlich noch viel Freude. Im Anschluss buchten wir noch einige weitere Busse – wir wissen nun bis Mittwoch und ab Freitag ziemlich genau, wie wir wo hinkommen, was natürlich schonmal gut ist.

Müde fielen wir ins Bett und hofften, dass der Wecker sich nicht so früh anfühlte, wie die Uhrzeit, die darauf stand.

What a lovely Day

Ok, wo soll ich also beginnen? Heute ist der zweite von insgesamt 8 Tagen einer Irlandreise zweier Menschen namens Theresa und Jonas. Tag 1 war verhältnismäßig stressig, lang und ermüdend, weswegen der Blog heute beginnt. Heute beginnt er allerdings, da ich nicht weiß, wann wir das nächste Mal Internet haben und ich euch dieses Geschehnisse nicht vorenthalten möchte.

Los ging es also gestern um exakt 1 Uhr nachts. Nach 3 möglichen Stunden Schlaf klingelt der Wecker und erinnert uns daran, dass es Zeit ist, uns auf den Weg zu machen. Letztlich waren es nicht ganz 3 Stunden, aber es war besser als nichts. Anziehen, zum Auto marschieren, einladen, Navi anschmeißen, losfahren. Die Fahrt lief umbeschwerlich und bis auf einen komplett ausbrennenden Bus ereignislos (Der war dafür sehr spektakulär  – zum Glück kam niemand außer dem Bus zu Schaden, wie wir nun wissen, Google sei Dank). Ansonsten hatten wir leere Autobahnen, viel Traubenzucker und Spezi einige LKW’s, leckeres Lidl-Gebäck und hinter Frankfurt eine Autobahnähnliche Straße, die uns schnell zum Ziel – einem Parkplatz in Sohren  führte. Dort waren wir dann eine Stunde früher als angegeben. War aber zum Glück kein Problem – das Shuttle zum Flughafen kam prompt.

Der Flughafen Hahn hat in etwa den Charme einer Fabrikhalle (und zwar keiner schönen antiken, sondern den einer neuen hässlichen), weswegen wir kein gesondertes Interesse daran hatten, ihn näher kennenzulernen, sondern schnell durch die Sicherheitskontrolle zum Gate gingen und dort auf’s Boarding warteten. Das begann dann auch, wir setzten uns ins Flugzeug und flogen nach Dublin.

Hier beginnt gefühlt ein neuer Tag – die Landung in Dublin muss doch wann anders gewesen sein, als unsere lange Fahrt zum Flughafen?! Na ok, rein vom Datum her ist es wohl noch identisch. Frohgemut begaben wir uns zum Car Rental Service um unser Auto entgegenzunehmen und dann Irland unsicher zu machen. Etwas müde, aber trotzdem froh gaben wir dem Kerl unseren Reservierungsschein. Der fragte noch nach meinem Alter, ich sagte es ihm, er sagte, dass ich zu jung sei. Ich war irritiert und berief mich auf die Internetseite, aber er sagt es täte ihm leid, aber er könne uns kein Auto geben, aber keine Sorge, wir müssten auch nichts zahlen.

Das war natürlich in dem Moment eher als suboptimal zu bezeichnen, da wir unsere gesamte Planung auf diese 4 Reifen gebaut haben. Also versuchten wir, alle anderen Firmen abzufragen, von allen kam das gleiche Ergebnis, weswegen wir erstmal ratlos dastanden.

Diese Ratlosigkeit dauert zum Glück nicht lange – wir schauten uns an und sprachen den identischen Gedanken aus: Dann halt mit öffentlichen Verkehrsmitteln! Um uns zu beruhigen, googelte wir gleich mal einige Busse, im Großen und Ganzen schien das möglich zu sein. Dann noch herausfinden, wie wir in unser Heim in Dublin mit dem Bus gelangen und los ging es. Dieser ungeplante Umstand war übrigens auch der Grund, wieso es bisher noch keine Fotos gibt und die auch erst etwas später kommen.

Die Busfahrt war etwas kompliziert, da wir uns ein bisschen rumfragen mussten, bis wir an der richtigen Stelle waren, aber nach ungefähr 1,2 Stunden fanden wir das nette Häuschen von Sam, unserem AirBNB-Kontakt. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Stimmung aufgrund von Müdigkeit und Planungszusammenbruch leicht gedämpft, aber dieser Kerl war so sympathisch und freundlich, dass er das schnell revidierte. Er zeigte uns alles, sagte uns noch einige Tipps und Informationen und war prinzipiell sehr nett.

Wir stellten einen Tagesplan auf: 1. Einkaufen, 2. Dublin ansehen, 3. Abends Busse für die Folgetage buchen.

Punkt 1 war schnell abgehakt, da direkt ein Shoppingcenter um die Ecke lag. Es gab Vinegar Pringles, was Jonas sehr begeisterte. Und dann natürlich noch anderen Standardscheiß für Frühstück, Mitagessen, Abendessen, etc. Da am nächsten Tag Sonntag war, versuchten wir für alle Tage bis Montag mitzudenken.

Nun ging es endlich in die Stadt. Nach fast 11 Stunden des Unterwegseins begann nun also das Sightseeing. Mit dem Bus zur City Hall, denn dort gab es eine Aktion, nämlich folgende:

This is Dublin Castle

Da am 17.03 der St. Patricks Day war, ist Dublin noch grüner als sonst. Für eine Woche gibt es einige Aktionen und verschiedene Vergnügungsmärkte und alles ist in grün beleuchtet, etc. Im Rathaus gab es eine Art „Schnitzeljagd“, an der man teilnehmen konnte und bei der man die wichtigsten kulturellen Institutionen Dublins abhaken konnte und an jeder ein Rätsel lösen musste – quasi perfekt um eine Stadt erstmal kennenzulernen. Wir bekamen eine Tüte, den Zettel und eine Karte (Die Karte ist toll immer noch!) und planten erstmal den besten Weg zu allen Teilen. Theresa übernahm die Führung, das funktionierte prima und sollte allen anderen mit mir Reisenden mal zu denken geben, wieso sie immer mich vorlaufen lassen 😛

 

Kunst am Trinity College
eine hübsche alte Harf im Trinity College (Um genau zu sein die älteste noch erhaltene in diesem Land und quasi Symbol für Irland)
Und natürlich der „Long Room“ – bekannt aus Filmen wie „Harry Potter“, wenn den jemand kennt. Eintritt 10 Euro für einen Raum ist schon happig, aber es ist auch ein hübscher Raum!

Die einzelnen Stationen waren durchaus interesannt, aber unsere Aufnahmefähigkeit aufgrund von Müdigkeit begrenzt, weswegen wir außer dem Rätsel nur sehr marginal über den Tellerrand hinausschauten. Es war etwas bewölkt und deswegen freuten wir uns vor allem sehr auf den nächsten Punkt – das Musical „Let it be“, wegen dem wir die Schnitzeljagd aus Zeitgründen auch leider nicht vollenden konnten (Keine Ahnung, ob es etwas zu gewinnen gegeben hätte, aber es war auf jedenfalls ne nette Tour).

Mehr Kunst am Trinity College
Das Energy Gais Theatre – hier ging es dann in ein hübsches Musical

Zu Let it be: Die Jungs auf der Bühne haben das echt gut gemacht – man hatte das Gefühl, dass die Beatles wohl schon so ähnlich aufgetreten sein müssen, die Musik war großartig, nur „Musical“ ist der falsche Ausdruck, es war ein Konzert. Und auch das Publikum war etwas älter als auf den legendären Stadionkonzerten – eher so 60-65 und dementsprechend auch etwas verhaltener. Aber bei einigen Lieder stand der ganze Saal, alle haben getanzt und mitgesungen und man hatte das Gefühl, dass alle hier drin nochmal um 30 Jahre jünger geworden sind. Es war sehr schön, nur waren wir beide etwas müde, was in diesem dunklen, bequemen Raum vor allem bei den ruhigeren Liedern schwierig war, aber es war schön, definitiv, sehr.

Ein müdes Auge nach einem Konzert
Dublin in der Abendstimmung (Die Brücke ist schwenkbar, das ist sooo cool!!!)
buntes Gebäude, Kirche (Falschfarbendarstellung)

Im Anschluss sind wir noch am Fluss vorbeigelaufen, dessen Name ich nicht weiß (Liffey sagen Wikipedia und Theresa), wir hatten viele schöne Architektur, blaue Stunde, grünes Licht, Abendstimmung, ruhige Möwenschreie, die nur noch von den sanften Geräuschen des riesigen Vergnügungsparks mit diffizilem Bass überdröhnt wurden und die Temple Bar.

Ursprung des difizilen Basses
Ursprung mit Palme

DIE Temple Bar ist etwas falsch, es handelt sich um ein echt hübsches Partyviertel mit vielen Pubs und Straßenmusikern, durch welches wir hindurchspalanzierten, immer auf der Suche nach etwas zu Essen. Wir fanden: Überfüllte Pubs mit hübscher Musik, für die wir aber aufgrund von absoluter Fertigkeit keinen Nerv mehr hatten. Wir fanden nicht: Etwas ansprechendes gemütliches mit Sitzgelegenheit zum Essen. Also fuhren wir nach Hause, wo dann Sam mit Freunden kochte, weswegen die Küche blockiert war.

Temple Bar /(Falschfarbendarstellung) ((sagt Theresa)) (((ich finde, es transportiert die Emotionalität))) ((((Na egal, bis morgen!))))

Scheiß auf Essen, wir sind müde, war das allgemeine, daraus entstandene Konsens, weswegen wir uns ins Zimmer verzogen und viel googelte, Fahrten planten, Informationen durch die Gegend schleuderten, bis sie Sinn ergaben (oder auch machten) und schliefen zufrieden und sehr sehr müde ein…

Gestern=Heute=Morgen

Der Titel impliziert, was ich sagen will: Die Erklärung des gestrigen Blogeintrags folgt heute, also entspricht heute mit dem Morgen von Vorgestern. Damit habe ich hoffentlich alle genug verwirrt, um darüber hinwegzusehen, dass ich gestern schon wieder kein Internet hatte, um mein eigenes Versprechen zu halten.

Ich habe auch gerade eigentlich keine Zeit, möchte aber die geniale Freitagsidee auch nicht komplett in der Versenkung verschwinden lassen.

I PROUDLY PRESENT „SCHWARZ“!

DER NEUE SPIELFILM VON HONOREMPRODUCTIONS

Menschen haben eine geradezu endlose Fantasie. Jede Art von Kunst ist nur der Versuch, ein Teil davon in eine form zu bringen, in der man sie anderen näherbringen kann. Doch dadurch beschränkt man sich natürlich auch und präsentiert eine Wertung, man präsentiert eine der vielen Möglichkeiten.

Schwarz ist anders! Er restriktiert nur die Länge auf exakt 90 Minuten und ist damit ein normaler Spielfilm. Nur den Inhalt überlässt er ganz den Zusehern. Wer die Zeit hat, kann sich einfach mal diesen Film ansehen und einfach nur die Gedanken schweifen lassen, denn das ist etwas, das wir viel zu selten machen.

Denn manchmal kommt man dadurch auf ganz neue Dinge, die schon lange im Kopf rumgeistern, aber deren zu gedenken nie genug Zeit war.

Probiert es mal aus, es funktioniert erstaunlich gut! (Das schöne ist: Wenn man nur die ersten 5 Minuten ansieht, verpasst man trotzdem nichts 😉 )