The magic treehouse: Showtime with Shakespeare – Emerald City Theatre

Jetzt wird es also ernst – wir schauen die nächsten 3 Tage insgesamt 10 Stücke, das erste haben wir hinter und und nachdem ich es nun etwas sacken ließ, versuche ich mich dem Ganzen anzunähern. Wichtig ist villeicht hier zu erzählen, auf welchem Wege wir in das Theater gelangten. Gebucht hatten wir das Stück vor 3 Tagen, weil wir möglichst viel in das Wochenende packen wollten und Showtime with Shakespeare vormittags 10:15 Uhr lief, da es sich um eine Show für Kinder und speziell Schulklassen handelt. Nachdem wir gestern The Toxic Avenger sahen, ließen wir uns via Lyft zu einem Subway fahren, um noch etwas zu essen, bevor es in den Nachbus ging. Blöderweise das besagter Subway zu und es begann heftiger und heftiger zu schneiden, weswegen wir eher lieblos nachschauten, in welche Richtung wir laufen mussten, sondern einfach draußlosmarschierten – ich zog meinen Koffer durch den minütlich wachsenden Schnee und wir waren schon bald weiße Gestalten. Nach einiger Zeit bemerkten wir, dass wir in die falsche Richtung liefen und kehrten um – nach einer knapp 40minütigen Wanderung durch das ausgestorbene, schneeüberwucherte Minneapolis kamen wir schließlich endlich beim Bus an. Der war leider sehr voll, weswegen sich unser Platz in der Nacht in Grenzen hielt und an wirklich effektiven Schlaf nicht zu denken war. Aufgrund des Schnees hatten wir auch noch eine Verspätung und machten uns langsam Sorgen, nicht mehr rechtzeitig anzukommen – Schätzung des Busfahrers: 10:30 Uhr in Chicago. Da wir vom Bus-Stop noch ca. 15 Minuten via Lyft zum Theater brauchten, hätten wir also keine Chance mehr. Glücklicherweise spielte in Illinois das Wetter und der Verkehr für uns und wir kamen Punkt 10:00 Uhr an, Nic bestellte ein Lyft-Auto, das wie gerufen keine 30 Sekunden später da war – die Frau die uns fuhr, war sehr verständnisvoll und wir fühlten uns auf dem Highway wie in einem Autorennspiel – konnten aber noch einige Momente gutmachen. Punkt 10:15 Uhr betraten wir das Theater, stellten unser Gepäck ab und wurden in den Saal geleitet, um uns herum: Nebel, eine beleuchtete Bühne und Kinder. Viele schreiende, begeisterte Kinder. Begeistert waren wir ebenfalls – wir hatten so viel Aufwand in die Anreise zu dieser Aufführung gesteckt, dass sie einfach gut werden musste. Gespannt waren wir – eine Geschichte aus dem magischen Baumhaus als Musical zu Hamilton-ähnlichen Beats klang nach einer Mischung die richtig gut oder katastrophal werden konnte.

Als das Licht ausging und alle Kinder anfingen zu jubeln, fühlte ich mich wirklich wie vor einigen Monaten in London, als wir Hamilton besuchten und die Halle ausrastete. Das Stück ging los, das Ensemble tanzte über die Bühne und stellte uns die Protagonisten vor: Jack, Annie und Mr. William Shakespeare himself. Dabei strahlten sie alle von der ersten Minute an so viel Energie aus, dass es einfach Spaß machte, das Ensemble dabei zu betrachten, Kindern eine Freude zu bereiten und dabei auch pädagogisch wertvolle Arbeit zu leisten. Ganz kurz zur Handlung, die sehr stark nach der Formel der Buchreihe dargebracht wurde: Jack und Annie bemerken, dass das Baumhaus wieder auftaucht, sie sollen ins England des elisabethanischen Zeitalters reisen, um dort eine spezielle Art von Magie zu entdecken, sie stoßen auf William Shakespare, spielen im Mitsommernachtstraum mit, überwinden Lampenfieber und begreifen, wie Theater das reale Leben durch eine spezielle Magie überdecken und für einen Moment verdrängen kann. Als Nebenhandlung laufen sie einem Tanzbären über den Weg, der gezwungen wird, in Ketten zu tanzen und in Arenen zu kämpfen, Annie befreit ihn und am Ende ist er Teil des Ensembles und tanzt überglücklich. Darüber hinaus hat Jack unglaubliches Lampenfieber und Angst, nicht schauspielern zu können, wird aber durch die Kraft der Gemeinschaft beruhigt. Achja und ein wenig Frauenpower spielt auch noch mit: Annie darf als Mädchen nicht Teil des Bühnengeschehens sein, also verkleidet sie sich kurzerhand als Jungen, der dann wiederum eine Frau spielt, alle sind begeistert. Und natürlich hat auch Queen Elisabeth einen kurzen Cameoauftritt und freut sich über die magischen Momente im Globe Theatre.

Man muss zugeben, dass die Show einige Schwächen hatte. So waren einige Momente zu lang und der Spannungsbogen der ganzen Handlung etwas ungünstig gesetzt. Zusätzlich war die Akustik der Sänger vor allem anfangs nicht sonderlich gut ausgepegelt und die Musik kam vom Band, was mich persönlich normalerweise ziemlich stört. Da Nic und ich aber direkt in die erste Reihe gesetzt wurden (Wir waren wohl gefühlt die einzigen zahlenden Gäste in diesem Theater, neben vielen vielen Schulklassen) und das Geschehen damit aus nächster Nähe miterleben konnten, erwachte in mir wieder das Kind, das vor langer Zeit süchtig so viele der Baumhaus-Bücher gelesen hatte. Ich begab mich mit Jack und Annie auf eine fantastische Reise und das Ensemble führte und durch ganz andere Welten – mit wirklich simplen Mitteln war man mitten drin, in der Theaterarbeit Shakespeares. Dazu waren die Choreographien wirklich gut ausgeführt und die Musik hatte glücklicherweise einen eigenen Charakter, der nicht wie ein billiger Abklatsch von Hamilton wirkte.

Im Anschluss an das Stück gab noch noch eine kurze Q&A-Runde – in beide Richtungen. Zuerst fragte eine der Schauspielerin in die Runde, jetzt wo alle gesehen hätten, was Annie und Jack für den Bären gemacht haben – für was würden sich denn die Kinder im Saal einsetzen? Die Antworten waren herzzerreißend und gaben mir Hoffnung für die Zukunft: Sie würden ihren Freunden beistehen, wenn diese ausgegrenzt werden, sie wollen sich für bedrohte Tierarten einsetzen. Oder einfach für jeden, der ungerecht behandelt wird. Im Anschluss stellten sich die Schauspieler noch alle kurz mit Namen und Lieblingstanzmove vor und beantworteten Fragen, dabei versprühten sie alle eine Freude, Verbundenheit und Herzlichkeit, dass dieser Moment für mich fast der schönste des ganzen Vormittags war. Ich sollte öfter Stücke für Kinder besuchen oder auch selbst machen – wenn irgendwie wirkliche ehrliche Begeisterung liegt, dann dort.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.