Iron Irene , A Musical Fable – Greenhouse Theatre Center

Und so schnell näherte sich unsere Zeit im Greenhouse Theatre dem Ende, Iron Irene war bereits unser letztes Stück in diesem Theater und gleichzeitig die Derniere des Festivals. Nach Musical Therapy waren wir uns fast sicher, dass dieses Stück ein wenig hinter unseren Erwartungen zurückbleiben würden – eines der Probleme, wenn man so viel auf einmal sieht. Da wir aus dem Grund aber mit einer interessierten, aber nicht sonderlich erwartungsvollen Haltung in das Theater gingen, konnten wir das Stück genießen, ohne zu viel zu wollen, was ein angenehmes Gefühl war. Also betraten wir wieder das gleich Theater und wieder stand das gesamte Ensemble an einer anderen Stelle und ein anderes Bühnenbild begrüßte uns – das war eine der eindrucksvollsten Elemente des CMTF – jede Show hatte eine Auf- und Abbauzeit von gerade einmal 30 Minuten vor und nach jeder Show, das heißt alle mussten sich auf das absolute Minimum beschränken, das manchmal größer und manchmal kleiner war. Iron Irene war eine der Shows, die das Bühnenbild bis zum größten mögliche Punk ausreizten. Als wir das Theater betraten standen uns 2 normale Türen, eine Salontür, ein Tisch mit Stühlen, eine Bank und eine Salonbar gegenüber. Das ganze Set war sehr stilisiert und trotzdem prägnant dargestellt – ich fühlte mich wohl, weil meine persönliche Herangehensweise an Bühnenbilder der dargestellten recht ähnlich ist.

Obwohl das Musical Iron Irene hieß, war die Geschichte nicht wirklich ihre, sondern begann nur mit ihr. Nach dem Bürgerkrieg besitzt Irene ein kleines Stück Land im wilden Westen, lebt dort in einem Salon und habt ein paar Tiere, um die sie sich gemeinsam mit den anderen Bewohnern kümmert. Da wäre ein Cowboy, der sich um die Tiere kümmert, ein Sheriff, der für Recht und Ordnung sorgt, die Hausdame des Salons und natürlich auch ein leichtes Mädchen – ganz wie man das Setting aus jedem Western gewohnt ist. Die Handlung beginnt mit Irene, die einen Mann zur Rede stellt, der die Salondame verprügelte. Sie lässt ihn am Tisch fixieren, schneidet seine Hand ab und lässt ihn dann laufen, dass er erzählen kann, dass man bei ihr nicht machen kann, was man will. Danach wird sie zwar als Retterin der Stadt gefeiert, hat selbst aber ein schlechtes Gewissen, weil sie weiß, dass nicht richtig war, was sie getan hat, sich aber nicht besser zu helfen wusste, da die Einwohner auf sich allein gestellt sind und üble Gestalten ihr Unwesen treiben. In diese unruhigen Zeiten hinein kommt aber eine frohe Botschaft: Irenes Schwester Cassie (dargestellt von der Autorin und Regisseurin des Stückes) kommt per Eisenbahn im Ort an und freut sich, nach langer Zeit ihre Schwester wiederzusehen. Die Reaktion auf ihr Erscheinen ist zwiespältig – nicht alle wissen, ob sie begeistert sind, dass die Frau aus der großen Metropole, die belesen und gebildet ist und offensichtlich auf alle herabblickt  hier ist. Zu viele Gedanken kann man sich aber nicht darüber machen, denn es gibt zwei wichtige Themen, die die Bevölkerung und vor allem Irene gerade umtreiben: Einerseits möchte die Regierung einen Vertrag mit dem Dort abschließen sodass es ein offizieller Teil der Vereinigten Staaten ist und damit auch unter dem Schutz des Landes steht. Leider ist der Vertrag nicht optimal und der Ort würde all seine Autonomie verlieren: Sie könnten ihren Sheriff nicht selbst wählen, bekämen einen fremden Bürgermeister zugeteilt, Frauen hätten keinerlei Wahlrecht und der ausgehandelte Frieden mit den Indianern, die eng mit dem Dorf zusammenarbeiten, wäre dahin. Irene möchte den Vertrag unter diesen Bedingungen nicht unterschreiben, obwohl sie die Unterstützung der Nation bitter nötig hätte: Denn der einarmige Bandit vom Beginn taucht wieder auf und hat zwei Begleiter dabei – sie erpressen das Dorf, indem sie drohen, es auf seine Grundmauern niederzubrennen, wenn sie nicht 2000$ bekämen. So viel Geld steht nicht zur Verfügung sie sie handeln den Deal aus, die ersten 1000 sofort, die zweite Rate nach 2 Monaten zu bekommen.

Im folgenden folgt das Stück vor allem Cassie. Die bringt dem Dorf Literatur und die Welt der Bücher näher, bringt alle Lesen und Schreiben bei und ein wenig schriftlichen Ausdruck gleich noch mit. Vor allem der Cowboy bemüht sich sehr, vor allem um Cassie für sich zu gewinnen. Eines Tages trägt er ihr ein Gedicht vor, das sie sehr berührt, sie entreißt es ihm und ließt die Widmung: „Für Cassie, die Frau die ich liebe“. Sie ist glücklich, sie küssen sich und sind glücklich miteinander. Sie verbringen die Nacht zusammen und kurz darauf wird Cassie schwanger. Irene ist absolut nicht begeistert davon, da eine Geburt hier im wilden Westen viel zu gefährlich wäre. Sie müsse gehen und dürfe dem Cowboy nichts erzählen, da er sonst mit ihr gehen würde und das Dorf ihn und seine Schusswaffenfähigkeiten braucht. Doch bevor Cassie aufbrechen kann, kommen die Banditen wieder und geben sich mit den 1000$ nicht zufrieden, sie tun so, als hätten sie die ersten Rate nie bekommen. Da Irene ein für alle Mal Ruhe möchte, schlägt sie einen Shootout vor – sie gegen den Banditen. Gewinnt er, ist das Dorf sein. Gewinnt sie, lässt er sich nie wieder blicken. Das Duell läuft ordentlich ab und Irene erschießt ihren Widersacher. Doch daraufhin kommt es zu einer Schießerei, in dessen Folge Irene angeschossen wird. Aufgrund der schlechten medizinischen Möglichkeiten verschlechtert sich ihre Lage kontinuierlich. Kurz bevor sie stirbt, erzählt sie Cassie dass sie schwanger war, als sie in das Dorf kam und krank wurde. Das Kind starb noch vor der Geburt. Sie lässt Cassie versprechen, für die Schwangerschaft wieder zurück in die Stadt zu gehen. Cassie verspricht es, nicht ohne zuvor dem Dort Mut einzureden und zu versprechen, für einen besseren Vertrag mit der Regierung zu kämpfen, dass Irene nicht umsonst starb.

8 Monate später kommt sie wieder zurück in das Dorf. Sie hat es geschafft, in Washington Gehör zu finden und dem Dorf die Autonomie zu gewähren, die es braucht. Außerdem ist ihr Kind wohlbehalten auf die Welt gekommen und sie ist überglücklich, Mr. Cowboy wiederzusehen. Der ist etwas eingeschnappt, weil ihm durchaus klar war, dass sie schwanger ist und er enttäuscht ist, dass sie so wenig von ihm hält, sie verspricht ihm aber, bei ihm zu bleiben. Gemeinsam gedenkt das Dorf Irene und all den Sachen, die sie erreicht hat.

Iron Irene hatte eine Handlung, die viele sehr schöne und gute Elemente beinhaltete – die sehr starken Frauenrollen, das friedliche Miteinander der Einwanderer mit den Ureinwohnern, die Macht der Gemeinschaft – auch das Wildwest-Setting war sehr überzeugend und die Geschichte in sich stimmig. Die Musik hatte einige starke Momente, war manchmal aber auch seltsam arrangiert und vor allem nicht gut vorgetragen. Der Dirigent schaffte es nicht, die Aufmerksamkeit des Ensembles zu erlangen und die Musiker zusammenzuhalten – dieses war aber zu groß, um autark zu funktionieren. Deswegen flogen die Musiker und auch Sänger regelmäßig ziemlich auseinander und mussten sich selbstständig zusammenreißen – an so etwas wie Akzentuierung war kaum noch zu denken. Viele der Schauspieler waren auch nicht gänzlich überzeugend und ließen eine klare Führung und Präsenz vermissen. Einzige Ausnahme hiervon ist Cassie, die aber gleichsam ein Problem des Stückes war. Obwohl es Iron Irene hießt und sich um sie drehte, blieb der Fokus vielmehr auf Cassie, die auch der interessante Charakter war. Hier lies die Autorin sich etwas mehr von der Rolle, die sie selbst verkörpern wollte mitreißen. Sie spielte zwar wirklich gut und hatte die stärksten Momente, trotzdem fühlte sich das Stück nicht so an, als wollte es ihre Geschichte erzählen, sondern als wollte sie das gerne. So hatten wir zum Ende des Festivals ein durchwachsenes Stück mit manchen Problemen, das ich aber insgesamt sehr gerne sah und dessen Aussage ich sehr mochte.

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