Musical Therapy – Greenhouse Theatre Center

Eine Sache, die ich dieses Wochenende ganz besonders genoss war das unglaubliche Talent junger Autoren, Regisseure, Musiker und Schauspieler, die alle energiegeladen und voller Freude waren, dem Publikum ihr Werk und ihre Arbeit präsentieren zu können. Da Nic und ich zwischen Freitag und Sonntag 6 Stücke im Greenhouse Theatre sahen, wurden wir irgendwann sogar persönlich begrüßt und gehörten die paar Tage fast schon zum Inventar, konnten ein wenig mit kreativen Menschen in unserem Alter reden und uns von deren Visionen inspirieren lassen. Neben Tru war es vor allem Musical Therapy, das mich inspirierte und aus den Socken haute, denn es bewies, dass man mit einer extrem unterhaltsamen Show Vielfalt manchmal so viel besser darstellen kann als mit dem tiefsinnigsten Drama.

Musical Therapy folgte Theresa, einer Paartherapeuthin, die sich auf auf Sexualtherapie spezialisiert hat und Paare unterstützt, deren Beziehung Arbeit braucht, die aber beide noch bereit sind zu investieren. Eine der Methoden, die sie dafür verwendet, sind Sockenpuppen, über die die Beziehungspartner sich alles sagen können aber noch eine Barriere dazwischen habe und sich so nicht ganz so schnell beleidigt und angegriffen fühlen. Zu diesen Sockenpuppen hat Theresa auch zwischen den Sitzungen eine interessante Beziehung – sie redet mit ihnen und sie verhöhnen sie dafür, dass sie keinen Mann findet, außerdem taucht auch immer wieder ihre Mutter auf, die sie wohl immer wieder schwer enttäuscht hat. Schon sehr schnell wird klar, dass auch Theresa eine Therapie sehr dringend nötig hätte und sich mit ihren persönlichen Problemen auseinandersetzen sollte. Sie ist kurz vor dem Absturz und absolute hysterische Verrücktheit. Doch auch die Paare, die sie betreut, haben ihr ganz persönlichen Probleme. Da gibt es zum Beispiel Liz und Ryder, die sich in der High-School kennengelernt haben und eine sehr kumpelhafte Beziehung führen. Sie lieben beide Sport haben den gleichen Baseball-Verein, den sie feiern, sie gehen gemeinsam in Sportbars und sind neben ihrer Beziehung auch beste Freunde. Wenn da nicht das Problem wäre, dass Liz sich extrem vor seinem Geschlechtsteil ekelt und Sex so gut es geht aus dem Weg geht. Auf der anderen Seite scheint sie Theresa mehr als nur interesannt zu finden… Auf der anderen Seite gibt es Darcie und Timothy, er ein schüchterner und etwas seltsamer Nerd, der seinen Traum von einer perfekten Familie träumt und sehr emotional ist. Mit all dem kann Darcie wenig anfangen, ihr ist vor allem der Sex wichtig und dass dieser seine Würze nicht verliert. Dafür verwendet sie auch Fesseln, Peitschen und allerei andere Apparaturen, mit denen Timothy sich nicht sonderlich wohl fühlt. Sie ist aber sehr dominant und er traut sich nicht, etwas dagegen zu sagen. Theresa versucht den Paaren zu helfen, ist sich aber insgeheim schon sicher, keine Zukunft zu sehen. In der Mittagspause verlässt sie ihre Praxis und trifft auf dem Gang einen Mann – Mr. Wonderful, der in jeder Hinsicht perfekt ist. Er interessiert sich für sie, findet es toll, was sie macht, er liebt ihre Sockenpuppen und fragt, ob sie gemeinsam mittag essen gehen wollen – Theresa ist sich sofort sicher, den Mann ihrer Träume gefunden zu haben, mit dem sie gerne alt werden möchte und versucht, mehr über ihn herauszufinden. Als Busch verkleidet schleicht sie hinter im her und begleitet ihn auf dem Nachhauseweg, als sie plötzlich in Beth stolpert. Die ist zuerst besorgt und zückt ihr Pfefferspray, hält Theresa dann aber doch eher für eine harmlose Irre, hat Mitleid mit ihr und drück ihr 20 Dollar in die Hand. Theresa protestiert, doch Beth besteht darauf, sie zu unterstützen. Just in diesem Moment dreht Mr. Wonderful sich um und erkennt Theresa. Er ist etwas verwirrt, freut sich aber, sie zu sehen und stellt ihr seine Freundin vor – Beth. Diese junge, attraktive, fitte, hilfsbereite und süße Frau, die ihn auch noch bis zum Himmel zu verehren scheint. Theresa versucht, die schreckliche Situation zu retten und bietet beiden eine kostenlose Sitzung an – irgendeine Form von Hilfe braucht ja jedes Paar. Beth ist erst unsicher, ihr Freund überzeugt sie aber, dass das doch sicherlich gut wäre.

n der Sitzung versucht Theresa herauszufinden, welche Schwachstellen Beth hat. esstörung in der Kindheit? Gestörtes Verhältnis zur Mutter? Minderwertigkeitskomplexe? Doch die Frau scheint durch und durch perfekt zu sein und nach der Sitzung, die vor Kitsch nur so trieft beschließt das Paar, den nächsten Schritt zu gehen und zusammen zu ziehen. Theresa ist entsetzt, beschließt aber, die Beiden mit der Hilfe eines teuflischen Plans zu trennen und sich dann den Mann zu schnappen, der ihr zusteht. Dieser Plan ist in mehrere Phasen unterteilt:
Zuerst ermutigt sie Liz, zu ihrer Sexualität zu stehen, in einer Sitzung outet sie sie und lässt Ryder völlig überfordert zurück. Sie gibt ihm den Vorschlag, sich möglichst sehr zu betrinken, um über sie hinweg zu kommen. Im nächsten Schritt trennt sie Darcie und Timothy, indem sie lanciert, das er sie ja gar nicht lieben würde, weil er ihre sexuellen Praktiken nicht mitmacht und zu einem Leben drängen möchte, dass Darcie nicht leben möchte. Sie verlässt ihn und er stürmt verzweifelt aus der Praxis. Theresa gibt Darcie Ryders Nummer, da dieser ja jetzt Single ist und verzweifelt Sex möchte und deswegen das perfekte „Opfer“ für Darcie wäre. Zum großen Finale bringt sie Beth und Mr. Wonderful dazu, ein bestimmte Restaurant zu besuchen und bietet den beiden verkleidet als italienischer Ober das schlimmste Date aller Zeiten. Sie füllt sie mit Alkohol ab, missachtet möglichst viele Hygienebestimmungen und singt Beth ein Ständchen, da er Freund ihr gesteckt hätte, dass sie heute 40 werden würde und wohl auch so aussehe. Es kommt heraus, dass das Zusammenleben von Beth und Mr. Wonderful nicht ganz rund läuft, da er gerne mehr Freiheit hätte und angetrunken machen sie miteinander Schluss.

Theresa ist begeistert, dass ihr Plan so gut funktionierte und möchte sich ihren Preis abholen, doch bevor das passieren kann, kommt Beth zu ihr, da sie kaum Freundinnen hat und jemanden zum reden braucht. Theresa möchte ihr Timothys Nummer geben, da der ja nun auch wieder alleine ist – gemeinsam könnten sie ein furchtbar romantisches und kitschiges Pärchen mit 2 Kindern und einem Hund werden. Beth bedankt sich für Theresas Mühe, verneint das Angebot aber – immerhin sei die Trennung erst eine Stunde her. Sie dankt Theresa für all ihre Mühe und dass sie das Gefühl hat, nur in ihr eine wirkliche Freundin zu haben und schläft betrunken ein. Theresa hat nun ein sehr schlechtes Gewissen und möchte all das, was sie getan hat, wieder rückgängig machen. Also lädt sie alle drei Expaare in ihre Praxis ein und erzählt ihnen, was sie getan hat, versucht Liz zu überzeugen, wieder hetero zu werden, dass Darcie in sich doch all die Gefühle versteckt, die Timothy in ihr freilegen könnte und dass Beth und Mr. Wonderful doch füreinander bestimmt sind. Alle sind sehr aufgebracht und möchten die Sockenpuppen verbrennen, doch dann fällt ihnen auf, dass die vorige Situation auch nicht optimal war. Liz ist nunmal lesbisch und möchte nicht mit eine Mann zusammen sein, beschließt aber zusammen mit Ryder, gerne die engen Kumpels bleiben zu wollen, die die beiden immer sein wollten und eigentlich auch imer waren – nur eben ohne Sex. Beth und Mr. Wonderful sind sich einig, dass ihre Beziehung nicht funktioniert hat und es gut war, dass sie zusammenzogen, um das zu merken, es jetzt aber auch gut finden, verschiedene Wege zu gehen. Und Timothy? Der ist extrem sauer, dass Darcie keine Stunde nach der Trennung ein Stelldichein mit Ryder hatte und zeigt endlich die Stärke und Dominanz, die Darcie die ganze Zeit vermisst hat. Sie fasst sich endlich ein Herz und sagt, dass sie ihn liebt und mit ihm alt werden möchte. Timothy gibt zu, dass manche der sexuellen Experimente interesannt waren, doch er möchte zu hundert Prozent mitbestimmen, wie weit die beiden gehen. Sie kommen wieder zusammen und Theresa ist erleichtert, wie gut alles ausgegangen ist. Sie hält sich wieder für eine gute Therapeutin, die auf die Art und Weise weiter machen kann, wie sie bisher gearbeitet hat. Zumindest diese Hoffnung wird ihr schnell wieder genommen: Alle im Raum sind sich einig, dass sie KEINE Paartherapeutin sein sollte. NIE! WIEDER!

Musical Therapy war eine Hymne auf sexuelle Vielfalt, auf Kommunikation in Beziehungen aber vor allen Dingen war es auch unglaublich lustig. Was die nasty show am Abend zuvor in jeder Hinsicht verfehlte, löste diese Show ein: Witze, die teilweise stark unter die Gürtellinie gingen, aber vom Timing her so perfekt ausgeführt waren, dass man immer genug Zeit hatte, begeistert zu sein und dann aber auch nicht zu lange auf einem Witz zu verharren. Neben den überzeichneten Charakteren war es auch die perfekte Ausführung von allem, was auf der Bühne passierte. Die Band spielte akzentuiert und mit einer Energie, dass ich immer wieder vergaß, dass nur ein Pianist, Bassist und Schlagzeuger vor uns saßen – der Sound den wir bekamen stand den großen Hollywood-Musicals in nichts nach und auch kompositorisch muss sich Musical Therapy nicht hinter solch großen Nummern wie „The Producers“ oder „Singin’ in the rain“ verstecken – die Themen wurden konsequent aufgestellt und verarbeitet, die Musik transportierte Emotionen und brauchte große Szenen auf die Bühne. Diese wurden dann von den Schauspielern mit Leben erfüllt. Ich bin immer noch mehr als beeindruckt, wie die es gänzlich ohne Mikrofonen geschafft haben, so laut zu sein und dabei so unangestrengt zu klingen. Wenn alle gemeinsam Harmonien sangen hörte ich immer wieder auf zu atmen, zu perfekt war das, was uns dort offenbart wurde. auch die Choreographien der einzelnen Tänze waren in sich stimmig und ich hatte das Gefühl, dieses Stück könnte auch in den großen Broadway-Häuserin aufgeführt werden, Millionen machen und gefeiert werden. Doch dadurch, dass wir direkt vor dem Geschehen saßen, wurde alles noch realer. Ein ganz spezielles Lob spreche ich hierbei noch für die Hauptdarstellerin aus. Die Schauspielerin von Theresa spielte um ihr Leben und verkörperte den Wahnsinn ihrer Figur in Perfektion. Niemand braucht Disney-Bösewichte mit ihren ikonischen Songs, als sie den Plan fasste, alle anderen Paare für ihr Glück zu sabotieren war das darstellerisch ganz großes Kino und man freute sich, so etwas sehen zu dürfen. Mit Musical Therapy hat es nun schon das zweite Musical innerhalb von nur 2 Tagen geschafft, definitiv auf die Liste meiner absoluten Empfehlungen zu kommen. Denn dieses Stück hat gezeigt, was nur ein Musical kann und wie wunderschön das sein kann.

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