The Liberators – Greenhouse Theatre Center

Nach dem wunderschönen Lichtblick kam ein tiefer Blick in den Schatten. Anders kann ich The Liberators leider nicht beschreiben, was aber auch an der Thematik selbst lag und ich mich als Deutscher sehr unwohl in dieser Aufführung gefühlt habe.


Die Handlungszusammenfassung wird etwas schwierig, da es 20 Rollen gab und ich keinen einzigen Namen mehr im Kopf habe, weil das ganze sehr verworren geschrieben war und es häufig schwer war, der Handlung überhaupt zu folgen. Im Prinzip gab es 3 Handlungsstränge und 2 Metaplots.

Metaplot 1: Ein Mann verkauft die Uhr seine Uhrgroßvaters und bekommt im Anschluss erzählt, dass diese ein wichtiges Erbstück der Familie war – er versucht, sie zurückzuerwerben, was aber daran scheitert, dass eine Stiftung bei einer Auktion 750.000$ dafür bietet. Der Großvater ist außer sich und erzählt dem Enkel die Geschichte der Familie, er möchte einen Film daraus machen, der dann groß gefundet werden soll. Leider kommt er nicht gut an und am Ende rettet eine Frau von der Stiftung, die die Uhr gekauft hat, allen den Tag, indem sie den Film finanziert, da es ihr wichtig ist, dass die Erinnerung nicht stirbt. Leider ist der Großvater, für den der Enkel alles gemacht hat, schon tot.

Metaplot 2: Der Enkel, der den Film produzieren will, sucht Zeitzeugen auf, die ihm aus ihrem Leben erzählen. Dieser Plot hält die Handlungsstränge zusammen – der Enkel fungiert als Erzähler, der dem Publikum seine Vorgehensweise erzählt. Er interviewt 2 Leute: Seinen Vater, der an Demenz leidet und dessen Erinnerungen immer weiter schwinden, Jefferson und Jacob (gut, dass ich wenigstens diese beiden Namen noch in meinem Kopf habe)

Plot 1 (Jacob): Jacob ist japanischer Abstammung, seine Familie lebt aber schon seit zwei Generationen in Amerika. Er selbst hat die Möglichkeit, in einer Gastfamilie zu wohnen, wo er JEFFERSON Nachhilfeunterricht gibt und wie ein Bruder für diesen ist. Nach Pearl Harbour stehen alle Japaner im Land unter Generalverdacht und werden in Lager verfrachtet, in denen herausgefunden wird, wie patriotisch und Amerika-treu sie sind. Er trifft Jefferson wieder, da dieser als Soldat das Lager überwacht. Josephs Schwester mit mit einem gutem japanischen Freund von ihm verlobt, liebt jedoch heimlich Jefferson – die beiden wollen gemeinsam durchbrennen, was sie schließlich auch tun. Aufgrund von Nationalstolz beschließt Joseph, nichts mehr mit Jefferson zu tun zu haben. Die beiden sehen sich bei der Befreiung Deutschlands erneut, reden aber nicht miteinander. Erst durch die Dreharbeiten finden beide endlich wieder zusammen.

Plot 2 (Jefferson): Jefferson ist afroamerikanischer Abstammung und muss immer wieder Rassismus ertragen. Er hinterfragt immer wieder, wieso er für dieses Land, das ihn doch nur ausgrenzt, kämpft. Seine Geschichte überschneidet sich sonst stark mit der von Joseph.

Plot 3 (Der Großvater): Der Großvater ein Jugendlicher, als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, nach einer verbotenen Swingparty kommt die Gestapo seiner Familie auf die Schliche – seine Mutter ist eine Jüdin und da die Familie sich weigert, sich zu trennen, kommen all ins Konzentrationslager. Die Mutter und der Vater sterben in den dortigen Schrecken, er passt auf die Uhr seine Vaters auf, weil sie alles ist, was ihm bleibt. Die Amerikaner retten ihn und seine Schwester, die ihn später im Alter pflegt.

Bei der Befreiung der Konzentrationslager finden auch Joseph und Jefferson zusammen, vertragen sich aber erst Jahre später – kommentiert wird das mit: „Obwohl der Holocaust, schrecklich war, bringt er doch verschiedenste Menschen zusammen.“ – Dann singen alle einen christlichen Song, dass es Gott war, der alle erlöst hatte.

Neben dem bereits angesprochenen Problem, dass die Handlungen undurchsichtig waren und die Bühne fast immer überfüllt sind es eben diese Momente, die mein größtes Problem mit dem Musical erzeugten. Die Schrecken im nationalsozalistischen Deutschland waren für diese Geschichte nicht mehr als ein Plotdevice, um die gezwungene Botschaft von Vielfalt unterzubringen – das extrem religiöse Ende wird zwar im Metaplot wieder relativiert, dann aber doch gerechtfertigt. Insgesamt war es mir extrem unangenehm, wie klischeehaft und fast von Charlie-Chaplin-mäßig die Nazis dargestellt wurden, da ich das Gefühl hatte, dieses Musical thematisiert all diese Verbrechen nicht, sondern relativiert sie zugunsten von Unterhaltung. Dazu trugen auch die Lieder bei. An den unpassendsten Stellen wurden die unpassendsten, musicalesken Leider mit großer Choreographie zum Besten geben und man hatte oft nicht das Gefühl, dass den Machern klar wäre, wie viele Menschen sie da gerade mit ihren Füßen tritten. Dazu kam, dass die Inszenierung und auch die Band technisch auf keinem sonderlich hohen Niveau agierten und man sich öfter fremdschämte, als ich mir das speziell bei diesem Thema wünschte. Ein weiters Problem war, dass die Produktions zwar sehr sehr viele Akteure auf die Bühne stellte, einige von denen fühlten sich allerdings offensichtlich fehl am Platz und ein großes Problem, dass sie durch das ganze Stück zog, war die Tatsache, dass all die alten Menschen, die ihre Geschichte erzählten, auch von den jungen Schauspielern gespielt wurden. So etwas kann inszenatorisch funktionieren, einem 25-jährigen Menschen aber einen Stock in die Hand zu geben und ihn gezwungen gebrechlich wirken zu lassen, indem er zittert und versucht, seine Stimme möglichst alt zu stellen ist nicht die Strategie, die gut funktioniert.

Ich fand das Potential, das die Show verschenkt hat sehr schade, denn Potential war definitiv da. Sei es der Ansatz, ein wichtiges gesellschaftliches Thema (vor allem in unseren heutigen Zeiten) in Form eines Musicals darzustellen, um villeicht mehr Menschen zu erreichen. Auch der Ansatz, dass zur Zeit des zweiten Weltkriegs auch in Amerika manche Menschen diskriminiert wurden, war ein mutiges Motiv, das dann aber relativiert wurde – immerhin sind diese Verbrechen nicht von Nazis begangen worden, sondern von den Menschen, die die Welt gerettet haben, deswegen ist es wieder eher ok. Ich hatte am Ende nicht das Gefühl, etwas gesagt bekommen zu haben, anders als zum Beispiel bei Schindlers Liste, der das Stück definitiv inspiriert hat. Doch wirklich unterhalten gefühlt habe ich mich auch nicht. Also saß ich da, zwei Stunden, ein wenig zwischen den Stühlen und weiß bis gerade noch nicht genau, was ich damit anfangen soll.

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