Cards against humanity – Greenhouse Theatre Center

Nach Butcher’s Son ging es mir glücklicherweise wieder besser, ich konnte mich in der Lobby etwas ausruhen und Wasser trinken und war wieder fit für das letzte Stück des Abends – welches genau, wussten wir aber noch nicht. Unsere Priorität wäre ursprünglich Grindr – The Opera gewesen, das war aber ausverkauft und am Box Office wurde uns wenig Hoffnung gemacht, noch reinzukommen. Plan B wäre eine Improshow im Second-City Theater gewesen, eine der größten Improtheater in Chicago. Doch dann kam Plan C um die Ecke und vereinnahmte uns sehr spontan. Im Greenhouse Theatre gab es parallel zu Grindr eine Improshow namens: „Cards against humanity“, wie das Kartenspiel.

Manche von euch mögen das Spiel kennen, es ist mittlerweile sehr populär und hat einen sehr schwarzen Humor: Jeder Spieler hat einige weiße Karten mit verschiedenen Begriffen auf der Hand und eine schwarze Karte mit einem Statement (Desccribe your first crush) oder einem Lückentext (My dad resently searched Pornhub for Hot Milf ______), die man mit Hilfe der weißen Karten beantworten konnte. Dabei kommen oftmals sehr böse, schwarzhumorige Statements heraus und das spiel hält einen dazu an, möglichst politisch inkorrekt zu handeln, damit das funktioniert, brauchen die Karten natürlich eine gewisse Ausgeglichenheit, dass alle Antworten Biss haben, aber auch nichts (zu sehr) über die Schmerzgrenze der Mitspieler hinausgeht.

Nun das ganze also als Improabend, wir waren gespannt. Vor dem Eintritt bekamen wir erstmal en Reisgericht mit teurem Trüffel (eine Knolle ca. 160€), wir waren etwas verwirrt und fragten, was da solle, die Antwort war sinngemäß: „Weil wir es können!“ – es hatte einen interessanten Geschmack, war etwas scharf und tat meinem Magen sehr gut. Im nächsten Schritt bekamen wir eine Art Programmheft mit einer blanken weißen und schwarzen Cards of Humanity Karte und Tipps, wie man diese am besten ausfülle, damit sie witzig wären. Diese sollte wir wohl ausfüllen und würden Teil der Improvisation sein, dachten wir uns. Zu diesem Zeitpunkt waren wir etwas irritiert von dem sehr offiziellen Design von allem und fragten uns, ob das ganze von CAH gsponsort war. Wir betraten das Theater, in dem wir auch schon Rose sahen, die Teppiche, Fotorahmen und Tische standen alle wie in unserer Erinnerung herum, wurden etwas zur Seite geräumt. Vorne auf einer Leinwand stand eine Handynummer, an die man ein Geheimnis schicken konnte, das dann auf der Leinwand erschien. Dabei kamen sehr interessante (I’m sitting next to a cutie/Please get me auf of this date!) aber auch sehr unwürdige, fäkalienbeiinhaltende Statements heraus – das Publikum war etwas in unserem Alter und wohl in der Mehrzahl angetrunken oder bekifft, es lief sehr laute Musik. Bis zu diesem Zeitpunkt wirkte die gesamte Veranstaltung sehr random, aber durchaus nicht uninteressant.

Al es mit einer 20minütigen Verspätung schließlich losging, kam ein junger Mann auf die Bühne und stellte sich als einer der Erfinder von CAH vor, sie würden öfter solche Abende veranstalten, um neue Karten auszuprobieren und villeicht auch Inspiration für neue zu bekommen. Auf diese Art und Weise funktionierte auch die Improvisation, er und sein Gast (der auch für den Trüffel verantwortlich war), lasen je eine schwarze Karte vor und die verschiedenen Zweierteams mussten eine weiße Karte darauf antworten, die beiden Hosts entschieden sich für ihre Lieblingsantwort und das Gewinnerteam begann eine Improvisation basierend auf dem Kartenergebnis. Ein Beispiel war „Glückwunsch, du hast den Praktikumsplatz bekommen! Leider können wir dir kein Gehalt zahlen, stattdessen bekommst du ___“, die Antwort war „Ein Gorilla“, schon standen die beiden auf, der eine übernahm die Rolle des Gorillas, der andere mimte den überforderten Praktikanten. Sobald die Geschichte drohte, zu blöde oder langweilig zu werden, konnte jeder aus allen Teams Leute abklatschen oder in die Szene dazukommen, um ihr einen neuen Twist zu geben, die ganz typische Klatschimpro also. Die einzelnen Performer waren dabei alle durchweg sehr lustig und hatten viel Spaß, ebenso wie das Publikum. Da kam dann die sexuell erregte Enkelin, die der Großmutter unbedingt Kuchenteig von den Fingern lecken wollte, der Gorilla, der in den 90ern bei Google anfängt oder Chris Christie, der ehemalige Gouvernor, der unbedingt wieder einen Job möchte. Dabei nahmen immer wieder Leute auch Bezug auf vorhergehende Elemente, am Ende hatte der ganze Abend tatsächlich sogar so etwas wie einen dramaturgischen Bogen, obwohl die Improvisationen wirklich gänzlich frei waren und sich sehr schnell vom Kartenergebnis entfernten. Nichtsdestotrotz machte dieser manche intelligente, manchmal wirklich blöde Humor wirklich viel Spaß.

Ein weiteres, rein zufälliges Element gab es noch: Der Moderator spielte regelmäßig seine liebsten Youtube-Videos vor, um Wartezeiten zu überbrücken. Die waren oftmals so absurd witzig oder dumm, dass die Zeit sehr schnell herumging. Ein paar Beispiele möchte ich euch nicht vorenthalten: https://www.youtube.com/watch?v=me5ifeBFaFo und https://www.youtube.com/watch?v=-e3Rvmb6rD0 , viel Spaß damit!

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