Cill Mhantáin

Da wir ja geniale Pläne hatten, die nun alle genial nicht funktionieren, schlage ich vor, einfach mal damit zu beginnen, was wir machen WOLLTEN und was wir dann letztlich getan haben.

Für den gestrigen Sonntag planten wir eine gemütliche Tour zu Glendalough in den Wicklow Mountains, ein County neben Dublin und beliebtes Naherholungsgebiet. Ausschlafen, gemütlich losfahren – ein entspannter Tag.

Der Wecker klingelte pünktlich um 7:45. Am Abend zuvor buchten wir eine Bustour durch die Wicklow Mountains derer wegen wir um 9 Uhr in der Dubliner Innenstadt sein mussten. Also standen wir auf – 9 Stunden Schlaf waren ganz angenehm, Jonas war ziemlich fit, Theresa noch etwas müde – frühstückten und gingen zum Bus. Der nicht kam. Also schon, aber erst in 35 Minuten, was definitiv zu spät war und uns wunderte. Wir studierten den Fahrplan nochmals und realisierten erst jetzt, dass dort immer die Abfahrtzeit vom Ursprungsort angegeben wird, was heißt, dass die Zeit, wann der Bus an der Bushaltestelle sein sollte eher Inhalt einer groben Schätzung ist. Wir hatten noch gute 40 Minuten bis Busabfahrt in der Innenstadt, also liefen wir los in Richtung Innenstadt, ohne genau zu wissen, wie lang die Strecke eigentlich war.

Es war zum Glück verhältnismäßig warm, was den Morgenspaziergang dann auch ganz nett, wenn auch stressig machte. Auf dem Weg begegneten wir einer Katze, die sofort zu Theresa lief und sich an sie schmiegte (es ist und bleibt mir ein großes Rätsel, wie diese Katzenlady das anstellt!).

5 Minuten vor Abfahrt waren wir dann letztlich da, setzten uns in den Bus und waren erstmal froh, zu sitzen. Wir hatten eine nette Guidin, die auf dem Weg durch Dublin schon einiges über die Stadt erzählte – auf diese 15 Minuten erfuhren wir wohl mehr über die Geschichte der Stadt als den ganzen Tag davor. Nun wussten wir auch, was es mit der omnipräsenten Jahreszahl 1916 auf sich hat, die hier alle feiern. In dem Jahr gab es die erstem Widerstände gegen die britische Staatsmacht, die dann letztlich viel später in der Unabhängigkeit endeten. Doch genug von irischer Geschichte – ab in die Wicklow Mountains – die per Definitionen eher Hügel sind, da fast alles unter 1000m hoch sind. Aber glaubt uns – wenn man da drin fährt, wirkt es wirklich sehr wie ein hohes Gebirge, allein schon wegen den fehlenden Bäumen.

Durch enge Straßen, die definitiv nicht für Busse gemacht waren, schlängelten wir uns zuerst nach Glencree (der erste Stopp, den wir durch den fehlenden Mietwagen gewonnen haben, um auch mal die Vorteile aufzuzeigen). Kurzzusammengefasst handelt es sich um ein Gebäude, das im Rahmen der „Operation Shamrock“ zu einem Waisenhaus für deutsche Kriegswaisen wurde. Es wurde nach den vermissten Eltern gesucht und wenn klar war, dass diese tot waren, kamen die Kinder in eine irische Familie. Direkt nebenan gab es einen deutschen Kriegsfriedhof, auf welchem die bekannten und unbekannten deutschen Opfer in Irland in den Weltkriegen ihre letzte Ruhe finden. Angelegt und Instandgehalten wird dieser Friedhof vom Verein deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. und er ist furchtbar deutsch. Am Eingang hängt erstmal eine Freidhofsordnung, in der darauf aufmerksam gemacht wird, dass abgelegter Grabschmuck eine Länge von 30cm nicht überschreiten darf und dass im Sommer erhöhte Brandgefahr durch ausgetrocknete Pflanzen gilt.

Deutschland gibt sich echt alle Mühe, in aller Welt als spießig zu wirken, aber es kam auch etwas unfreiwillig komisch rüber. Die Anlage war dennoch schön.

Weiter ging es über die „Military Road“, die im 18 Jahrhundert angelegt wurde, um in die Wicklow Mountains zu kommen, die bis dahin ein wunderbares Versteck für alle Art von Verbrechern und Deserteuren war (So Nebenbei: besagte Straße wurde von besagten Verbrechern und Deserteuren gebaut, da die Staatsmacht keine Fotos hatte und nicht wusste, dass jene ebendiese waren). Diese Straße zu bauen war verdammt schwer, denn sie führt durch ein Moor und Sumpfgebiet, was das mit dem Fundament erstmal schwer macht. Ungleich beeindruckender war die Fahrt durch die weiten Torflandschaften mit dem „Ikeafichten“. Man fühlte sich auf einem anderen Planeten und das nur 30 km jenseits von Dublin. Braveheart wurde hier übrigens zum Beispiel gedreht. Und P.S.: I love you, wenn den irgendwer kennen sollte. Der Himmel zog währenddessen auf und es wurde schön sonnig, was uns natürlich sehr freute.

Der nächste Stopp war dann Glendalough. Dies ist eine alte Ruinenanlage, mit Klostergebäuden von vor 1500-500 Jahren und einem riesigen Friedhof. Glendalough ist irisch und bedeutet so etwas wie „Ort mit 2 Seen“. Die beiden Seen gab es dort auch, der „Lower Lake“ und der „Upper Lake“. Wir hatten dort einen Aufenthalt von 90 Minuten, weswegen wir beschlossen, kurz durch die Ruinen zu streifen und dann einen Abstecher zum Upper Lake zu machen.

Die Landschaft war über alle Maßen beeindruckend und wunderschön. In der warmen Sonne spazierten wir schnellen Schrittes (den wir praktischerweise beide draufhaben, das ist ausgesprochen angenehm, außer wenn Leute vor uns sind) durch Wälder, die alle 100 Meter ihren Charakter von Blairwitch, über Monsterwald bis hin zu grazilem Feendomizil änderten um dann in Kroatien zu landen. Pardon, Amerika. Hmm… Halt Winnetouland! Eine See inmitten von Bergen, felsig, aber bewachsen mit Bäumen.

In der Ecke stand auch noch ein überdimensionaler Christbaum, auf dem man sitzen konnte. Wir entschieden uns aber für eine Bank am See und genossen die Stille einige Momente.

Zurück in der Ruinenanlage hatten wir einen Moment, uns auf das Gras zu legen und die schöne Sonnenstimmung zu genießen, ehe es in den Bus ging. Wir fuhren weiter, während unsere sympathische Guidin uns ununterbrochen Informationen entgegenschleuderte. Im Nachhinein muss ich leider zugeben, dass Theresa wohl besser zugehört hat, aber wir haben das fast schon zu Ende rekapituliert. Noch vorbei an einer Brücke in Avoca (Ich liebe diesen Namen! So heißt der Fluss, der da durchfließt. Und das Tal, sagt Theresa), deren Fluss mich sehr an Arkansas erinnerte.

Ausgesprochen braunes klares Wasser aufgrund der Torfgebiete ist auch der Grund dafür, wieso das Guiness ursprünglich diese charakteristische Farbe hatte.

Und dann (Sorry Nils für diese umeloquente Satzkonjunktion) ging es zum Essen nach Avoca Village, ein kleines Dorf mit einem netten Pub, in dem es Fish&Chips gab. Die nahmen wir und ein Hähnchenfleischgericht mit Salat und Knoblauchbrot (und Bacon). Jonas ertränkte seine Pommes in Essig und viel Mayonnaise, Wir teilten uns den Rest und schafften es fast, alles aufzuessen. War gut, würde ich im Nachhinein sagen (Der Fish am Anfang etwas zu trocken). Im Folgenden statteten wir dem Tourist Shop noch einen Besuch ab, in dem Jonas nach Bezahlung noch eine kleine Flöte mitgehen lies (Instrumente! Yay! Cool!) und schon ging es wieder auf den Rückweg. Hier machten wir beide unsere Augen ein wenig zu, so langsam kam die Müdigkeit wieder.

Sogar hier faken sie jetzt schon Eiffeltürme… Schrecklich!

In Dublin war das Wetter so schön, dass wir beschlossen, noch einen kleinen Spaziergang am Fluss zu machen, was wir dann auch in die Tat umsetzten.

Jonas vor dem Spire, der mit noch keinem Wort erwähnt wurde. 123m hohe Nadel mitten im Dubliner Zentrum, die irgendwie cool aussieht, aber irgendwie auch unnötig ist. Aber das cool überwiegt.
Hier noch einmal der Spire in einer Gesamtansaicht.

War ganz nett und vor allem schön sonnig. Jonas fand viele Haargummis und suchte nach dem Wort Tourette, Theresa war davon sichtlich amüsiert. Auf einer Brücke mit Palmen (die in diesem Land wirklich überall rumstehen) fand Jonas ein Mädchen, welches sich bereiterklärte, ein Foto von uns beiden zu machen und dann gar nicht mehr aufhörte. Sind hübsch geworden.

Der Bus nach Hause kam dort und dann, wann wir wollten, dass er das tat (Was in Dublin ja jetzt eher die Ausnahme war), weswegen wir recht schnell nach Hause kamen. Dort kochte Theresa und Jonas schrieb den Blogeintrag für DAY 1, währenddessen begannen beide, zu Essen. Es gab Nudeln mit Curry, war recht lecker nur das Salz fehlte, aber das fanden wir dann zum Glück auch. Und es war ein wenig zu viel, aber der Rest steht nun in Sam’s Kühlschrank und macht ihm hoffentlich noch viel Freude. Im Anschluss buchten wir noch einige weitere Busse – wir wissen nun bis Mittwoch und ab Freitag ziemlich genau, wie wir wo hinkommen, was natürlich schonmal gut ist.

Müde fielen wir ins Bett und hofften, dass der Wecker sich nicht so früh anfühlte, wie die Uhrzeit, die darauf stand.

3 Gedanken zu „Cill Mhantáin“

  1. Das war ja ein toller Tag in den Wicklows,
    ich kann mich noch gut an diese imposante
    Landschaft erinnern, sehr schöne Fotos.
    Gut, daß wenigstens die Busse fahren.
    Mel Gibson und 5 Oscars lassen grüßen.
    Gute Weiterfahrt.♣♣♣

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