It’s a light!

Der 28.12 war ein voller Tag, so voll, dass einfach wirklich keine Zeit blieb, noch einen Blogeintrag zu schreiben. Deswegen sitzt Jonas nun hier, nach angenehmen 7,5 Stunden Schlaf zart von den kitzelnden Mondstrahlen des Morgens geküsst und sanft geweckt und versucht zu rekapitulieren, was gestern alles passiert ist und lasst euch gesagt sein – Es war viel!

Der Tag begann mit dem inneren Wecker von Jonas, der ihn um ca. 8 Uhr weckte – einer Uhrzeit, zu der er es noch unangebracht fand, die anderen aus dem Schlaf zu reißen, weswegen er versuchte, eine WLAN-Verbindung herzustellen, leider gelang das nicht – es steht also weiterhin wirklich völlig in den Sternen, wann ihr das lest. Aber wir versuchen, heute zumindest mal irgendeine Form von Internet zu bekommen, da wir ohne Google völlig und vollkommen aufgeschmissen sind, was natürlich irgendwie traurig ist, aber dazu später mehr.

Um ca. 9 weckte Jonas mit zarter Stimme die beiden Langschläfer und fragte säuselnd, ob sie denn Spiegelei und Tee wollten. Sie bejahten, Jonas bereitete das ganze vor, während die beiden aufstanden und sich anzogen und versuchten, aus der Dusche zuerst heißes und dann kaltes Wasser heraus zu locken. Obgleich das Frühstück nicht völlig perfekt war (An manchen Stellen zu hart, an anderen zu weich und einige Dotter verliefen) überwog die allgemeine Zufriedenheit und wir freuten uns, nach Tromsö aufzubrechen. Da es um 10 Uhr sowieso schon quasi taghell war, was uns sehr überraschte, brachen wir auf – die leicht irrationale Angst im Hinterkopf die Sonne könne ja in 2 oder 3 Stunden schon wieder weg sein…

Da wir ohne Internet keine wirkliche Idee hatten, wo wir am besten hinfahren sollten, machten wir einen großen Schlenker über die Insel und fuhren ein weites Stück die Küste entlang, wo wir auch einen Halt machten und frische Seeluft einatmeten, während Jonas merkte, dass seine Kleidungswahl der Kälte nicht völlig perfekt angebracht war, aber wer rechnet schon mit Winter und Kälte, sowas bin ich nicht mehr gewöhnt!

Wir wollen Meer!
Wir wollen Meer!

Das nächste Problem war die sehr unbefriedigende Parkplatzsituation in dem beschaulichen Städtchen (das übrigens enorme Ausmaße hat, dafür, dass es nur halb so voll ist wie Regensburg), die uns dazu zwang, zuerst eine gewisse Zeit das Sightseeing auf eine Art Safari zu veranstalten, bis wir auf dem Festland beim Scheinriesen eine Nebenstraße mit einer Schneewehe fanden, dir wir als Parkplatz deklarierten. Das finde ich immer noch spannend – das leichte Bangen, ob man aus diesem „Parkplatz“ auch wieder so gut rauskommt wie man reinkam…

wunderschönes Panorama einer wunderschönen Stadt in wunderschönem Licht
wunderschönes Panorama einer wunderschönen Stadt in wunderschönem Licht

Scheinriese fragt ihr euch nun? Nur Jonas’ Meinung, der der Ansicht war, dass die Eismeerkathedrale von weiter weg viel größer aussieht als auf den Fotos aber dafür verhältnismäßig klein, wenn man direkt davor steht, was ihn an besagten Scheinriesen aus Jim Knopf erinnerte. Wir gingen über die große Brücke wieder auf die Insel ,Tromsøya heißt sie übrigens. Wir sind uns mittlerweile ziemlich sicher, dass „øya“ „Insel“ oder so bedeutet, können das aber leider ohne Internet nicht verifizieren. Nils hat unsere Norwegisch-Fortschritte gut auf den Punkt gebracht: „Wir wissen, dass ‚ut‘ ‚außen‘ heißt! Aber wir wissen immer noch nicht, was ‚vann‘ oder ‚tschüss’ bedeutet“

Die nördlichste Holzkathedrahle der Welt!
Die nördlichste Holzkathedrahle der Welt!
Ein Fake-Lego (Dänemark) aus Deutschland verkauft in Norwegen
Ein Fake-Lego (Dänemark) aus Deutschland verkauft in Norwegen

Was zu Tromsø noch zu sagen ist: Nördlichste Holzkathedrale der Welt (die aber zu hatte, wie alle Kirchen, da Norwegen diese „offene Kirchen“-Prinzip scheinbar nicht kennt), schönes Kino, in dem wir villeicht bei Zeit und angebrachten Preis nochmal Star Wars ansehen, da ja alles auf Englisch ist, allgemein völlig unangebrachte Preise für Essen und Trinken und Cafés, allerdings scheinen Cafés auch die einzige Möglichkeit zu sein, an Internet zu kommen, da Norweger das Konzept von  deutschen Internetcafés leider nicht zu kennen scheinen, alle Touristen sind Japaner oder Deutsche, es gibt eine Kunstgalerie, die wir besuchten, den „Best Souvenirshop of the City“, es gibt einen Musikladen, den Jonas einmal für wenige Sekunden von außen bewundern durfte, auf dem Rückweg wurden ihm die Auggen zugehalten, der Winterdienst geht an die Straßen nicht mit einer „Alles-Weg!“-Einstellung dran, sondern eher mit einer „Solang-man-fahren-kann!“-Einstellung und man merkt, wer ein fauler Räumer ist und wer sehr gewissenhaft arbeitet – Je nachdem ist der Bürgersteig völlig frei oder aber von einer 50cm hohen Eisschicht bedeckt, die da wohl gefühlt nie nie mehr weggeht. Und: Es ist hell, es ist heller als gedacht und es fühlt sich nicht an, wie Nacht. Klar, man sieht die Sonne nicht, aber ansonsten ist es wunderbar hell und vor allem ist die Luft unfassbar klar – man sieht unendlich weit und unendlich scharf – man merkte doch die geringere Lichtverschmutzung.

Abendstimmung! Oder war das noch Morgenstimmung? Egal, sieht schön aus!
Abendstimmung! Oder war das noch Morgenstimmung? Egal, sieht schön aus!
Abendstimmung über Tromsø
Abendstimmung über Tromsø

Tromsø also in einem Satz erzählt – so schnell ging auch irgendwie vorbei, als es um 14 Uhr anfing, dunkel zu werden begaben wir uns wieder Richtung Auto. Jonas und Nils drehten völlig auf, was geschmacklose und schlechte Wortwitze angeht, wir Markus sagte: „Ihr beide habt in 100 Sprüchen einenden ich gut finde. 50 sind akzeptabel. Und bei den anderen will ich einfach nur jetzt und hier in den Fjord springen und dem endlich ein Ende bereiten!“ Jonas’ Reaktion: „Schaut, der Himmel ist knallrot! Also knallrot, wenn du das mit pastellfarben malen würdest. Und nur gelb hättest. Und wenig Orange.“ Nils: „Die Sonne geht in einem Pastell unter – es ist Joghurt vergossen worden!“ – wir beschlossen, dass das einer der guten war!

Im Hintergrund der Scheinriese zu erkennen - auf Fotos kleier als in der Realität
Im Hintergrund der Scheinriese zu erkennen – auf Fotos kleier als in der Realität
Ähm... Die Perspektive ist Kunst, die darf das! Außerdem hat Nils mir gesagt, ich soll das machen!
Ähm… Die Perspektive ist Kunst, die darf das! Außerdem hat Nils mir gesagt, ich soll das machen!

Also ging es nach Hause, wir wir Tee tranken – Markus und Nils einen neuen, Jonas arbeitete noch an seinem Projekt, was er sich zum Frühstück gemacht hatte. Dann wurde Markus gebeten, mal unsere Vermieterin anzurufen, um vielleicht noch Dinge mit dem WLAN herausfinden zu können. Also man kann sagen, dass alles Infos, die wichtig waren, gesagt wurden und Markus im Gegensatz zu Jonas jemand ist, der sie sehr aufs wesentliche reduziert und alles andere bleibt unser kleines Geheimnis. Nur so viel: Nils ist nun unser Grußformelmeister.

Mit dem Internet alles beim alten, da wir aber für ein paar Punkte tatsächlich Internet bräuchten (Wetterbericht, Onlineeintrittskarten, Reiserouten, etc.), rief Jonas zuhause an, um an die Adresse eines Internetcafés zu kommen. Irgendwie ist es traurig, dass wir Internet bräuchten, um ein Internetcafé zu finden, aber es sagt ja viel über unsere Gesellschaft aus, nicht?

Wir schrieben einen Einkaufszettel, was sich recht lang zog, da es hieß, dass wir auch entscheiden, was wir unseren Urlaub über Kochen – ab Ende hatten wir solch nette Zutaten wie „Asiatisch“, „Tee, Tee, Tee, Tee!!“, „Eine nicht zu vernachlässigende Menge an Parmesan“ und „Køtbullarsoße“ – aber so lange wir wissen, was wir uns darunter vorstellen ist ja alles gut. Auf zum Supermarkt, ungefähr Realgröße, eine Ordnung, die kein Mensch versteht und eine supermarkteigene Marke, die teuerer ist als alles, was man ja auch eher selten hat. Da wir darauf achteten, immer das billigste zu nehmen, zog sich die ganze Nummer eine gewisse Zeit hin, der Einkaufswagen fühlte sich und wir bekamen Panik vor dem Endpreis. Dazu kamen Sprachprobleme, denn wer weißt schon (ohne Internet!) was „Mehl“ oder „Sahne“ auf Norwegisch heißt? Am Ende bekamen wir aber alles und zahlten gute 70 Euro, was ja für 7 Tage Essen für 3 Leute durchaus ok, wenn auch teuerer als in Deutschland ist. Was ich noch monieren muss ist, dass jegliche Form von Gemüse, v.a. Paprika EINZELN in Plastik verpackt waren, was ja nun echt nicht sein muss – man merkt den reichen Ölstaat, der es raushängen lässt.

Also Kochen! Es gab Nudeln mit einer Tomaten-Hackfleischsoße (In Ermangelung eines Rezeptes für Bolognese aufgrund von fehlendem Internet wollten wir es davor nicht so nennen um keine falsche Erwartungshaltung zu schüren) – Nudeln machte Markus, die Soße anfangs Jonas, bis sie etwas zu flüssig wurde. Denn Markus hatte den Vorschlag, Mehl hineinzugeben, um sie etwas zu verdicken, woraufhin Jonas das Mehl aufriss – und vor vollen Körnern stand. Erklärt, wieso das so viel billiger als alle anderen war. Da bekommt „Vollkornmehl“ (Helhvete = witzigerweise könnte man es auch mit Höllenmehl übersetzen) eine völlig neue Bedeutung – Jonas suchte nach einer Art Mühle und fand sie probt in der Küche – eine elektronische Kaffeemühle! Völlig begeistert von seiner Idee machte er sich ans Werk, weswegen Markus nun die Obhut über die Soße übernahm, Jonas musste Mehl malen und fragte sich, wie Menschen das wohl machten, als sie noch keine vollelektrischen Kaffeemühlen hatten…

Das Essen war gut und man könnte die Soße definitiv Bolognese nennen – vor allem Jonas fühlte sich sehr an das Essen zuhause erinnert.

Nach dem Essen kurze Planungen zum nächsten Tag und längere Planungen zum weiteren Verbleib des hiesigen Tages. Wir beschlossen, nach Skulsfjord zu fahren, da auf Strecke laut Karte ein guter Aussichtspunkt for Polarlichter sein sollte. Also fuhren wir ins weiße, mit der Hoffnung, auch bald ins Grüne zu fahren. Dabei genossen wir erneut das Tromsoer Tunnelsystem und die schöne Landschaft, die nachts durch den Mond und den Schnee weiterhin taghell erleuchtet war – also alle die sagten, dass es hier im Winter dunkel ist: Lügen!! LÜÜÜGEEN!!

Von wegen die Nacht ist dunkel...
Von wegen die Nacht ist dunkel…

Einen wirklich guten Punkt fanden wir aber nicht, weswegen wir letztendlich ins Skulsfjord landeten und dort einfach mal die Nebenstraßen abklapperten. Wir fanden einen Parkplatz, von dem aus wir zuerst zu Fuß noch ein wenig den Berg hinaufstiegen – will heißen wir versuchten es, denn Nils bekam eine SMS von Lara und musste erst noch antworten, während er den armen Jonas frierend durch den Schnee hüpfen lies, bis er ihn nach oben schob – das funktionierte verhältnismäßig gut. Oben fanden wir eine kleine Schutzhütte und eine wunderschöne Aussicht auf den Fjord und die Berge und beschlossen, das Auto dorthin zu fahren und zu parken.

...Der Mond leuchtet gefühlt heller als die Sonne und die Luft ist unfassbar klar!
…Der Mond leuchtet gefühlt heller als die Sonne und die Luft ist unfassbar klar!

Wir genossen eine Zeitlang schweigend und fotografierend das Sternenlicht und begaben und dann ins Auto um DSA zu spielen und damit die Zeit herumzubekommen – Jonas durfte zum ersten meistern und tat das Bestes, das Abenteuer zu einem halbwegs großen Erfolg verkommen zu lassen – die beiden Chars von Markus und Nils machten das gar nicht mal so einfach, aber es war recht lustig – so verging die Zeit. Um ca. 23.00 Uhr hörten wir Nils rufen: „Leute, wir haben Nordlicht!“ – alles stehen und liegen lassend stürmten wir aus dem Auto und sahen:

Fast nichts. Also schon verschiedene Wolken und manche davon waren etwas grünlicher als die anderen und bewegten sich vor allem wolkenuntypisch, weswegen  wir zu der Vermutung kamen, dass es sich dabei wohl um das Polarlicht handeln musste. Jonas machte ein Foto – Jap, Polarlicht! Definitiv! Sehr grün und sehr schön!  Doch zu dem Zeitpunkt wurde es schon stärker und war nun auch mit dem bloßen Auge gut zu erahnen. Wir standen eine gute Stunde da und beobachteten das faszinierende Treiben und machten viele Fotos – einen Zeitraffer davon, wie das ganze so gar nicht aussah bekommt ihr hier unten:

Im Folgenden fuhren wir nach Hause – wir wollten ja noch schlafen und am nächsten Tag auch noch das Tageslicht mitbekommen. Die Rückfahrt war entspannt und wir fielen recht schnell ins Bett, begeistert von den Polarlichtern und voller Freude auf den nächsten Tag.

Anhang:  (schlechte)Wortspiele zum Thema Licht

(gesungen):

„There once was a light named Harry…“

„There’s a light (over at the Frankenstein Place)“

„IT’S A LIGHT!“ (Admiral Ackbar)

Doktor im Krankenhaus: „Congrats, it’s a light!“

Ein Gedanke zu „It’s a light!“

  1. Endlich Blog. Hört sich alles super an. Was heißt so habt ihr das Polarlicht nicht gesehen?
    Ansonsten schöne Bilder. Waren gerad im Musical „ich war noch niemals. ..“
    Schön.

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