Kategorie-Archiv: Reiseblog

Diese Kategorie umfasst alle textlichen Ergüsse, die aus mir herausströmen, während ich die Welt entdecke.

Goodbye to yesterday

So ist das. Kaum arbeitet man, hat man keine Zeit mehr für Nix, schrecklich. Aber heute ist Mittwoch, heute ist Wochenende und heute hole ich alles nach, was ich die ziemlich genau letzten 7 Tage verbockt habe (Da kam der letzte Blogeintrag). Also ist es mir ein inneres Anliegen, damit weiterzumachen, was ich schon so oft angeteasert habe, nämlich der letzte Tag in Irland, der schon wieder so weit weg scheint…

Immerhin gibt es heute viele Bilder, villeicht entschädigt das die längere Abwesenheit ein wenig…

Der ursprüngliche Plan (Mein Gott, ist das lange her! Noch VOR der Reise) war, morgens gemütlich in Cork loszufahren, einen Zwischenstopp in Cashel bei der berühmten Burganlage Rock of Cahsel zu machen und dann gemütlich am Flughafen herauszukommen, einzusteigen und gen Heimat zu reisen.

Ziemlich genau so kam es dann auch. Irland ist ein ganz eindeutiges Busland, im Großen und Ganzen war unsere Reise wohl ein bisschen teurer als mit dem Auto, geschuldet vor allem der völligen Spontanität unserer Buchungen und der Tatsache, dass wir keinerlei Vorwissen hatten, aber ich kann eine Irlandreise auf diesem Wege jedem empfehlen!

In Cork wurde gleich mal unser gewählter Bus nicht angezeigt, na super. Es war Ostersonntag, gefühlt der erste Tag unserer Tour, an dem alles zu hatte. Wir konnten nicht nachfragen, hatten keine Ahnung und mussten hoffen, dass all das funktionierte. Zum Glück fanden wir jemanden, der den gleichen Busplan hatte wie wir und schöpften zuerst Hoffnung, aus der dann Gewissheit wurde, als der Bus auf der Anzeigetafel erschien und später natürlich auch an der Haltestelle.

Wir stiegen ein, Theresas Schülerausweise wurde als ungültig deklariert, da nur irishe Student ID’s das höchste Maß der Dinge seien, aber er würde ein Auge zudrücken. Ja mei, insoweit hatte das absolut keine Auswirkung auf unser Handeln und wir bestiegen den Bus, in welchem Theresa las und Jonas den letztmöglichen Blogeintrag schrieb. (Jetzt schreibt er den letzten, entscheidender Unterschied!) (Es ist irgendwie Tradition, dass der immer verspätet kommt, oder?!)

Nunja, wir erreichten Cashel, es war etwas nass und kalt, erschöpft und mit letzter Kraft schleppten wir uns auf den Berg um die schützenden Mauern der Burg (nachdem wir Eintritt zahlten) hinter uns zu lassen und regengeschützt zu sein. Blöderweise gab es kein Dach und wir wurden trotzdem nass.

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Ich habe versucht, das riesige 2/3 umspannende Baugerüst auf den Fotos zu ignorieren – die Anlage erscheint dadurch kleiner als sie ist…

 

 

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Todd?! You are here?! OMG!!!

Der Ausblick von dort oben war sehr nett, der Bischof wusste schon genau, was er da fabrizierte, als er dieses Monstrum auf den Berg (respektive Hügelchen) baute. Mittlerweile ist der Rock übrigens ein Friedhof, der immer noch in Betrieb ist. Allerdings musste man sich vor gut 70 Jahren registrieren, um hier begraben werden zu dürfe, weswegen die Menschen, die diese letzte Ruhestätte noch bevölkern dürfen, langsam aussterben. Das Irland alte Gemäuer zu Friedhöfen macht ist absolut Gang und Gebe und Jonas findet das sehr cool!

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Hier in diesem Ort des Landes ist das mit dem Grünen Land sogar mal ernstzunehmen. Es war kalt. Aber es war sehr schön!
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Kühe! Schwarz! Weiße! Kühe! Yippiieeeehhh!!! Ich mag die! Echt! Ziemlich gern! Sehr ziemlich!
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Da kam wohl wieder der Künstler durch – sorry!

Da es kalt war und regnete, verzogen wir uns noch in das Museumskino in dem ein Film über den Rock of Cashel lief, ich hab keine Ahnung mehr vom Inhalt, das tut mir ausgesprochen leid. Aber es war interesannt. Glaub ich.

Einen zweiten Stopp legten wir in Cashel noch ein – in einem Restaurant, in dem wir zu Mittag dinierten.  Auf einem Fernseher lief gerade die große Dublin Parade zum Easter Rising (s. Artikel irgendwann am Anfang), in der sie alles, was irgendwie militärisch aussah, durch die Hauptstraßen transportieren (inklusive den Rollstuhlveteranen). Das Essen war gut und billig und sättigend und so begaben wir uns gut gestärkt zur Bushaltestelle, an der wir erfrohren.

Ende.

DOCH MIT LETZTER KRAFT ZOGEN WIR UNS VÖLLIG UNTERKÜHLT IN DEN BUS, DER IN LETZTER SEKUNDE UM DIE ECKE SCHOSS.

Ein letzter Blick auf das Castle, bzw. die Church, bzw. den Rock und weiter ging es auf die Autobahn und die letzte Etappe zum Flughafen.

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So sieht das Ding dann in ganz aus. Das Gerüst lässt sich erahnen.

Theresa las, Jonas ein bisschen mit, hörte dabei Musik und freute sich auf den Flug (dazu gleich mehr). Leider fuhren wir zum Abschluss nicht nochmal durch Dublin durch, da die Parade alles komplett verstopfte. Der Bus 2 Stunden vorher (Aus dem wir in Cashel ausgestiegen waren) hatte diesen Irrsinn versucht und kam gleichzeitig mit uns am Flughafen an, insoweit haben wir planerisch alles richtig gemacht!

Am Flughafen versuchten wir noch, etwaiges Restessen und Trinken zu vernichten, schauten uns die heute show an und warteten, da wir noch gute 2,5 Stunden Zeit hatten. Durch die Sicherheitskontrolle kamen wir unproblematisch durch, auch wenn diese Idioten uns eine extrem leckere Erdbeer-Vanille Marmelade weggenommen haben, weil sie angeblich ne Flüssigkeit wäre -_- (also wenn noch wer Geburtstagsgeschenke sucht…)

Am Gate erwartete uns ein sehr schöner Anblick – in der Abendstimmung wölbte sich ein Regenbogen über das Rollfeld, wir beide waren müde und erinnerten uns gemeinsam ein einige Momente der Reise zurück, Jonas organisierte seine Weiterreise am übernächsten Tag, da es ja schon wieder weiter nach München gehen sollte (oder mittlerweile gegangen ist)

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Ich würde gern Double Rainbow schreiben, aber es war nur ein sehr hübscher Einzelrainbow

Doch nun ging es zuerst in Richtung Flugzeug, in welchem Jonas zwei Sitzplätze am Fenster reserviert hatte, da er hoffte, einen Sonnenuntergang aus dem Flugzeug ansehen zu können, wofür er unfassbare 8 Euro ausgab. Ich finde aber, es hat sich gelohnt – die folgenden Bilder lasse ich einfach mal ohne Kommentar stehen – sie sprechen für sich!

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Unser Flugzeug
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Der Regenbogen verschwindet und lässt wunderschöne Wolkenformationen im Hintergrund erahnen
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Irland aus der Luft. Ein letzter Blick auf dieses schöne, grüne Land
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Flug durch Kunstwerke aus Wolken

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Dies sind die Wicklow Mountains. Von oben sehen sie irgendwie echt mickrig aus…

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We’re leaving Ireland right now….

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Nach diesen wunderschönen Impressionen und Blicken auf wunderschöne Naturgewalten ging der Flug recht gemütlich vonstatten. Wir flogen über eine große Stadt (vmtl. in Belgien oder Frankreich), aber haben keine Ahnung, wie diese hieß.

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Landeanflug auf Hahn

 

Wir landeten pünktlich um 22 Uhr in Hahn und waren zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich müde, da der Tag ja wegen Zeitumstellung und Reisezeitumstellung 2 Stunden länger war als ein Tag zu sein hatte. Nachdem wir die Passkontrolle passiert hatten und bei Theresas Auto ankamen fuhren wir los – nochmal 4,5 Stunden durch die Nacht… Dazu Musik und einige Hörspiele, bis wir müde und erschöpft ins Bett fielen.

An der Stelle möchte ich mich noch bei meiner wunderbaren Mitreisenden bedanken, die diese Reise sicherlich mindestens genau so sehr bereichert hat wie die ganzen Erfahrungen und Eindrücke, die Irland uns schenkte. Ich muss nicht viel schreiben – ich habs dir eh schon gesagt – mit dir zu reisen ist tatsächlich herrlich unkompliziert und ich wiederhole das gerne und bin froh, mit all meinen Reisepartnern bisher ein solch großes Glück gehabt zu haben.

Jetzt muss ich nur wieder anfangen, diesen Blog ernstzunehmen…

also auf ein neues, gleich morgen!

Planlos

So könnte man den heutigen Tag gut übertiteln. Realisiert, dass wir den falschen Bus gebucht haben, ein wenig Killarney angesehen, nach Cork gefahren, Filme angesehen und viel gegessen.

Eigentlich wollten wir ja nach Skull, dieser Plan klappte aber aufgrund von fehlendem Auto nicht. Wir haben aber die leere Fläche eigentlich mit Nichts neuem gefühlt – v.a. da Teile unserer Gruppe ja leicht angeschlagen sind.

Also ein fauler Tag, ganz ohne Fotos, denn ich habe tatsächlich nicht eines gemacht.

Aber für Menschen, die mit den heutigen Infos unzufrieden sind, habe ich Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Computus_(Osterrechnung)

https://de.wikipedia.org/wiki/Gaußsche_Osterformel

 

Und für Menschen, die da keine Lust drauf haben gibt es folgende wunderschöne von Nils Olbrecht gemalt Bild (und er hasst mich vermutlich, dass ich es veröffentliche, aber ich finde, das hat es verdient.) Also viel Spaß mit einer schönen Landschaftsstudie!

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Wirf den Ring ins Feuer!

Heute war erneut ein Tag, an dem wir uns ziemlich an unseren Plan gehalten haben. Nach einem sehr entspannten Aufstehen wurden wir abgeholt, um in einen Bus zu steigen, der uns einmal um den ring of Kerry fuhr.

Da an diesem Tag außer der sehr schönen Landschaft nichts passiert ist, gehe ich heute einmal ein anderes Konzept an, nämlich das des Bilderblogs. Also lasst einfach die Aufnahmen auf euch wirken und habt viel Spaß mit den heutigen Impressionen.

eine Brücke kurz vor dem Kilarney National Park
Die Macgillycuddy’s Reeks im Nationalpark. Irlands höchste Berge mit ca. 1000m
Der Hinterkopf einer die Landschaft betrachtenden Theresa
Und endlich: Das Meer. Der erste Mal, dass wir es so direkt sehen, auf dieser Reise
Jonas wollte natürlich sofort ein Bild. Aber da Theresa lieber hinter als vor der Kamera steht, war das möglich
Strandimpressionen. Zu dem Zeitpunkt war es ziemlich sonnig, was uns natürlich sehr freute!
Einsamer Harmonika-Spieler neben der Statue von Charlie Chaplin, der diesen Ort wohl öfter besuchte
Die Skellig Islands – bekannt aus Filmen wie „Star Wars“, wenn jemand den gesehen hat
Das war unser Ausblick während dem Mittagessen. Es gab Chicken-Curry, lecker, aber viel.
Mal ein wenig grün – diese Insel ist zwar sehr schön, aber die Orte, die wir bisher gesehen haben, waren eher braun-rötlich
Sheep everywhere
Noch ein Fotostopp an der Küste
Es geht doch! Sie darf nur nicht realisieren, dass man sie fotografiert ;)
Felsenimpression. Dieses Foto finde ich irgendwie hübsch, sonst hat es keinen tiefergehenden Sinn!
Ein Hügel voller Schafe (Die ganzen weißen Pünktchen)
Landschaftsimpression
unsere Straße – teilweise ist es unglaublich, mit welcher Leichtigkeit all die Busse diese Straßen meistern
Und zurück im Kilarney National Park mit dem Upper Lake

 

 

Suicide

Heute war, beziehungsweise ist immer noch ein ganz definitiv toller Tag. Wir musste erst um 9 Aufstehen, damit geht’s schon los. Und ich habe Zeit, Blogmäßig aufzuholen. Aber von Anfang an.

Der ursprüngliche Plan für heute war ziemlich simpel. Wir stehen gemütlich auf, fahren dann im Laufe des Tages durch den Burren und zu den Cliffs of Moher, um dann des Abends in Killarney im Hostel einzuchecken.

Wir standen gemütlich auf. Zum ersten Mal konnten wir das tun. Wir hatten eine Bustour durch den Burren und zu den Cliffs of Moher gebucht. Einziges Manko – wir landeten am Ende wieder in Galway und sitzen deswegen erst jetzt (19.00 Uhr) in einem Bus auf dem Weg nach Killarney und sind erst in 3 Stunden dort. Aber jetzt erstmal ein paar Infos zu dem heutigen Tage:

Nachdem wir gemütlich aufstanden, checkten wir aus und bewegten uns in Richtung Busbahnhof, um dort unseren Tourbus zu besteigen (Ich fühl mich langsam wir ein Bandmitglied, so viel wie wir mit dem Bus unterwegs sind!). Die Menschen wirkten alle recht sympathisch und uns wurde aus versichert, dass wir unseren Bus am Abend erwischen werden. Und los geht die Fahrt, laut Fahrer und Guide eine Rollercoastertour.

Durch Galway hindurch bekamen wir noch einige Infos über die Stadt (bzw. eigentlich nur die Krankenhäuser der Stadt, wieso auch immer), wir verließen sie und fuhren in Richtung Burren. Auf dem Weg passierten wir noch eine Ruine, die wir allerdings laut Fahreraussage erst auf dem Rückweg besuchen würden, da sie dann in der Flut schöner aussieht, als gerade, während der Ebbe. Also zuerst in den Burren. Für alle, die sich jetzt schon fragen: Der Typ redet die ganze Zeit von einem „Burren“. Aber was ist ein Burren?! Der Burren ist eine Karstlandschaft in Westirland und Teil des „Wild Atlantic Way“. Sie entstand, als dieser Teil Irlands noch unter Wasser lag, weswegen es sich um eine verschachtelte Felslandschaft handelt, die sehr karg wirkt und aus felsigem Gebiet besteht, auf dem augenscheinlich nichts wächst. De facto ist besagter Burren aber sogar eine der reichhaltigsten Vegetationsgebiete Europas, da zwischen den Felsspalten lauter unterschiedliche Pflanzen wachsen, die man dort eigentlich nicht finden können sollte. Unser erster Halt war eine Höhle, in welcher wir an einer Führung teilnahmen. Sie war sehr interesannt und Jonas fand es mal wieder sehr faszinierend, was für Strukturen sich auf diesem Planeten natürlich bilden können.

„Praying Hands“ – natürlich entstanden
unterirdischer Wasserfall

Während der Fahrt erzählte der Fahrer viel, unzusammenhängend – man hatte das Gefühl, er redet, was ihm grad in den Sinn kommt, was aber durchaus interesannt und er sehr sympathisch war. Da er nur am Anfang sagte, er sei eher der ruhige Typ, der nicht so viel sagen würde, war ebendiese aussage, eindeutig nicht zu bejahen. So erreichten wir schließlich die Cliffs of Moher (bekannt aus Filmen wie „Harry Potter und der Halbblutprinz“ – wenn jemand den gesehen hat).

Klippäääään

Diese großen und hohen Klippen waren sehr beeindruckend und touristisch ausgesprochen gut erschlossen – zumindest 500m in jede Richtung gab es Absperrungen, befestigte Wege und viele Guards.

Jonas vor Klippen
abgesetzter Stein vor der Küste vor Klippen im Wasser

Ein Stück darüber hinaus konnte man sich nah an den Rand heranwagen, wenn man sich denn heranwagte – da es 250m in die Tiefe geht, ist etwas Vorsicht wohl nicht die dümmste Idee. Jonas war in einer Fotostimmung, was Theresa eher suboptimal fand, aber letztlich genossen beide dieses enorme Naturdenkmal sehr ausführlich. Durch das bewölkte Wetter kamen die rauen Klippen fast noch besser zur Geltung.

so nebenbei – Ort mit der höchsten Selbstmordrate Irlands
Theresa vor Klippen
Theresa und Jonas (v.l.n.r.) vor Klippen
Möwen vor Möwen in Klippen auf Klippen
Klippen mit Klippen im Vordergrund und Menschen auf Klippen und abgesetzter Stein vor Klippen im Meer (Ja, ich war in Fotostimmung….)

Im Anschluss kehrten wir in einem Pub ein, um dort zu Mittag zu Essen. Das Essen war gut, das Trinken auch, Jonas kämpfte nur minutenlang mit einer Flasche, bis diese ihren Inhalt endlich freigab – dann allerdings sogar etwas zu gut. Wo der Flaschendeckel gelandet ist, bleibt weiterhin ein Rätsel. Ebenso der Apfel, den wir kurz darauf im Bus fallen ließen.

Gestärkt ging es weiter, wieder zurück in den Burren. Dort machten wir noch einen Fotostopp bei eine weiteren niedrigeren (Aber immer noch hoch genügen) Klippenformation umgeben von Karstlandschaft. Man hatte ein wenig das Gefühl, auf einem fremden Planeten zu sein, was Jonas an den Star Wars Dreh erinnerte, der ja bis vor Kurzem in Irland vonstatten ging.

„Kleinere“ Klippen – nurmehr 147 ft
Der Burren – anderer Planet, gefühlt
SELFIETIME!!! (Diese Bildunterschrift wird Ihnen präsentiert von Jonas und NICHT Theresa, welche damit nicht einverstanden und zufrieden ist.)
Theresa neben großen Stein in Karstlandschaft über Meer auf Klippen zugehend. JPG auf Computerbildschirm. 2016.
eine der wirklich großen Straßen in diesem Land

Der letzte Stopp war besagte Burgruine vom Anfang – wir wurden nicht angelogen: MIT Wasser sah der Galway Bay definitiv hübscher aus als ohne.

Wenn ich jetzt wüsste, wie das ding hies, würd ichs euch sagen… ehrlich!
hübsches kleines Dörfchen
Wie gestern auch heute wieder ein viel zu aufwendiges Bild mit Schwänen. Aber hübsch ist es geworden!

Wir landeten wieder rechtzeitig in Galway, verließen den Bus und gingen 100m zum Busbahnhof, um dort in den Bus von Galway nach Limerick zu steigen, in dem wir nun sitzen und in dem Jonas endlich dazu kommt, den Blog auf den aktuellen Stand zu bringen, während Theresa neben ihm sitzt und liest.

Der Preis für die kreativste Eigenwerbung geht heute an diesen Pub!

Connemara

Der Plan für heute war folgender: Wir stehen gemütlich auf, fahren rüber nach Galway, checken ein und machen uns einen schönen Nachmittag im Nationalpark Connemara.

Als der Wecker pünktlich um 5:30 klingelte, hatten wir das Gefühl, ein Auto wär doch schon was feines gewesen. Unsere Busverbindung fuhr um 7:00 Uhr morgens von Dublin Centre nach Galway und von dort hatten wir eine hübsche Connemara Tagestour gebucht. Doch nun erstmal schnell Aufstehen, heute hatten wir andere Verhältnisse – Jonas war müde, Theresa ziemlich fit. Schnell rausschauen, wann der Bus kommt, frühstücken, den Bus erwischen (Ja, tatsächlich!), früh genug in der Innenstadt sein, sich über den Spire aufregen, in einem McDonalds sitzen (und nichts Essen, nur die Wärme abgreifen) und schon begann die Fahrt, auf der wir nochmal etwas relaxen konnten.

Dublin ist grün. Im wörtlichsten Sinne

Jonas schrieb während der Fahrt den aktuellen Blogeintrag, da davor einfach keine Zeit dafür war, Theresa machte die Augen ein wenig zu und so ging die erste Fahrt nach Galway schnell zu Ende.

Dort erfuhren wir, dass wir praktischerweise für unsere Tagestour im gleichen Bus bleiben können, was wir natürlich ganz cool fanden – weniger Stress und Organisation ist immer schön. Der Fahrer wurde gewechselt – aus einem sympathischen Menschen, der keine Ahnung von Klimaanlagen hatte, wurde ein etwas älterer Herr, der ein wenig die Ausstrahlung eines Lehrers hatte. Als er losfuhr erklärte er uns erstmal ausführlich die Regeln, die während der Tour gelten und merkte irgendwann selbst, dass er wohl etwas oberlehrerhaft daherkam, worüber er dann einen Witz machte. recht schnell merken wir, dass er einfach einen sehr trockenen Humor besaß, der aber Spaß machte, sobald man ihn besser kennenlernte.

Also auf und davon ins Herzen Connemaras! Erster Stopp war eine Ruine eines alten Klosters, die sehr groß und imposant war und mittlerweile zu einem Friedhof umfunktioniert wurde. Dazu gab es viele Hintergrundinformationen, die Jonas gerade alle nicht im Kopf hat. (Nur so viel: Engländer sind nicht sehr gründlich im Zerstören von alten Kirchen)

Eine „zerstörte“ Klosterruine. Glaubenskriege hab ich noch nie verstanden – Anglikaner gegen Katholiken schon gleich 2 Mal nicht.

Nächster Stopp war ein nettes Örtchen namens Cong. Typischer irischer Dörfchenflair – kleine Häuser, enge Straßen, alles sehr schön anzusehen. 

sehr beeindruckende Skulptur
Zu diesem Foto: Der blöde Schwan musste unbedingt gerade essen, weswegen Jonas lange warten musste. Aber er hat es geschafft und war sehr stolz darüber!

Direkt nebenan fand sich ein wunderschönes Regenwaldgebiet, das Jonas mal wieder völlig fertigemacht hat, in seiner völligen geographischen Anpassung. Aber es war magisch und extrem schön und ruhig.

Die Brücke in den Märchenwald. Wortwörtlich.
Besagter Märchen/Regenwald
Diese irische Flora macht mich fertig…
Kleine Kirche in Cong

Im Anschluss fuhren wir durch Connemara. Landschaftlich sehr schön und weich – runde Straßen, viele Hügel und Schafe. Unmengen an Schafen, die überall frei herumlaufen. Nur einmal im Jahr werden sie zusammengetrieben und geschoren, ansonsten machen die das ganze Jahr über eigentlich ihr Ding und bevölkern die Gegend und meckern rum. Auch viel Torf gab es mal wieder – ein fossiler Brennstoff für die Bewohner, der quasi vor der Haustür liegt und dementsprechend sehr billig ist. Wir erfuhren auch nich viel über die Zeit der britischen Herrschaft und die irische Hungersnot – unglaublich, was für Bedingungen teilweise in diesem Land herrschten.

MÄHHH!!!
Gut, sie liest gerade, hoffentlich merkt sie das nicht: MÄÄHHHH die zweite!
ein Feenbaum (Die Iren haben es mit Fabelwesen, überall, find ich cool)

Der definitive Hauptstopp war aber ohne Zweifel Kylemore Abbey – wieder ein Ort, den wir ohne Bus niemals kennengelernt hätten, da wir gar nicht die Zeit gehabt hätten (Wir sehen das als positiven Aspekt des um 5:30 Aufstehens. Den einzigen. Aber besser als keiner muss man sagen). Besagte Abbey war Privatbesitz wohlhabender Leute und wurde später zu einem Kloster umfunktioniert. Es hat einen großen, schön angelegten Garten, ein riesiges Haupthaus und eine Kirche inklusive Mausoleum für die Frau des ehemaligen Besitzers. Umgeben ist all das von der wunderschönen, eigenartigen Landschaft Connemaras und über ihr wacht einen Jesusstatue. Die letzten Jahre (1921-2010) war Kylemore Abbey zusätzlich eine renommierte Mädchenprivatschule, die meiner Meinung nach auch ein wenig den Flair eines typischen englischen Gespensterfilms hätte. Für lachhafte 15000€/Jahr konnte man sein Kind dort im absoluten Nichts unterrichten lassen.

Kylemore Abbey Gardens
Da merkt man, wie der Wind geht. Wobei irische Bäume sowieso sonstwie wachsen.
Kylemore Abbey. wer findet die Jesusstatue?

Für Menschen, die Marley and Me gesehen haben: Besagter Film wurde auch teilweise in dieser Gegend gedreht und ein ansässiger Hundetrainer passte auf die 15 benötigten Labradore auf und wohnte mit Jennifer Aniston zusammen. Er soll in dieser Zeit sehr happy gewesen sein.

Schöne Landschaft über schönem See
Der „Kuppelberg“

Den Weg zurück machten wir noch den ein oder anderen Fotostop und landeten dann wieder (bzw. endlich) in Galway, holten unsere Koffer aus dem Bus und bewegten uns in Richtung Hostel. Nach guten 10 Minuten Fußweg kamen wir dort an, es handelte sich um ein hübsches babyblaues Häuschen, in welchem wir ein nettes kleines Zimmerchen hatten. Das Bett war bequem, das Bad sauber, nur das Wasser tröpfelte ein wenig vor sich hin. Aber bevor wir uns bettfertig machten, wollten wir nochmal zumindest kurz Galway ansehen. Die Fußgängerzone war nett, es gab einige Straßenmusiker und viele verschiedene Läden.

Ja, ich weiß, ich habs vermasselt. Keine Sorge, so betrunken waren wir nicht!

Letztlich fanden wir sogar einen Pub mit traditioneller irischer Livemusik, den wir noch kurz auf einen Drink besuchten, die Stimmung war gut, aber es war noch nicht überfüllt, wir hatten einen schönen Sitzplatz.

Hübscher Pub
The great musicians
Eyre Square (Auch bekannt als JFK Gedächtnisplatz)

Nach dem kurzen Ausflug in die Stadt duschten wir, Jonas bloggte, Theresa recherchierte Busse und wir mussten leider eine unserer Unterkünfte stornieren und durch eine andere ersetzen, aber dazu später mehr. Wir haben nun alles zu Ende geplant und können uns jetzt ganz auf die Reise freuen und das tun wir auch. Vor dem Schlafengehen versuchten wir noch, ein Skypestreitgespräch zu verstehen, was uns nur begrenzt gut gelang. Doch dann Licht aus. Und Bis morgen.

What a lovely Day

Ok, wo soll ich also beginnen? Heute ist der zweite von insgesamt 8 Tagen einer Irlandreise zweier Menschen namens Theresa und Jonas. Tag 1 war verhältnismäßig stressig, lang und ermüdend, weswegen der Blog heute beginnt. Heute beginnt er allerdings, da ich nicht weiß, wann wir das nächste Mal Internet haben und ich euch dieses Geschehnisse nicht vorenthalten möchte.

Los ging es also gestern um exakt 1 Uhr nachts. Nach 3 möglichen Stunden Schlaf klingelt der Wecker und erinnert uns daran, dass es Zeit ist, uns auf den Weg zu machen. Letztlich waren es nicht ganz 3 Stunden, aber es war besser als nichts. Anziehen, zum Auto marschieren, einladen, Navi anschmeißen, losfahren. Die Fahrt lief umbeschwerlich und bis auf einen komplett ausbrennenden Bus ereignislos (Der war dafür sehr spektakulär  – zum Glück kam niemand außer dem Bus zu Schaden, wie wir nun wissen, Google sei Dank). Ansonsten hatten wir leere Autobahnen, viel Traubenzucker und Spezi einige LKW’s, leckeres Lidl-Gebäck und hinter Frankfurt eine Autobahnähnliche Straße, die uns schnell zum Ziel – einem Parkplatz in Sohren  führte. Dort waren wir dann eine Stunde früher als angegeben. War aber zum Glück kein Problem – das Shuttle zum Flughafen kam prompt.

Der Flughafen Hahn hat in etwa den Charme einer Fabrikhalle (und zwar keiner schönen antiken, sondern den einer neuen hässlichen), weswegen wir kein gesondertes Interesse daran hatten, ihn näher kennenzulernen, sondern schnell durch die Sicherheitskontrolle zum Gate gingen und dort auf’s Boarding warteten. Das begann dann auch, wir setzten uns ins Flugzeug und flogen nach Dublin.

Hier beginnt gefühlt ein neuer Tag – die Landung in Dublin muss doch wann anders gewesen sein, als unsere lange Fahrt zum Flughafen?! Na ok, rein vom Datum her ist es wohl noch identisch. Frohgemut begaben wir uns zum Car Rental Service um unser Auto entgegenzunehmen und dann Irland unsicher zu machen. Etwas müde, aber trotzdem froh gaben wir dem Kerl unseren Reservierungsschein. Der fragte noch nach meinem Alter, ich sagte es ihm, er sagte, dass ich zu jung sei. Ich war irritiert und berief mich auf die Internetseite, aber er sagt es täte ihm leid, aber er könne uns kein Auto geben, aber keine Sorge, wir müssten auch nichts zahlen.

Das war natürlich in dem Moment eher als suboptimal zu bezeichnen, da wir unsere gesamte Planung auf diese 4 Reifen gebaut haben. Also versuchten wir, alle anderen Firmen abzufragen, von allen kam das gleiche Ergebnis, weswegen wir erstmal ratlos dastanden.

Diese Ratlosigkeit dauert zum Glück nicht lange – wir schauten uns an und sprachen den identischen Gedanken aus: Dann halt mit öffentlichen Verkehrsmitteln! Um uns zu beruhigen, googelte wir gleich mal einige Busse, im Großen und Ganzen schien das möglich zu sein. Dann noch herausfinden, wie wir in unser Heim in Dublin mit dem Bus gelangen und los ging es. Dieser ungeplante Umstand war übrigens auch der Grund, wieso es bisher noch keine Fotos gibt und die auch erst etwas später kommen.

Die Busfahrt war etwas kompliziert, da wir uns ein bisschen rumfragen mussten, bis wir an der richtigen Stelle waren, aber nach ungefähr 1,2 Stunden fanden wir das nette Häuschen von Sam, unserem AirBNB-Kontakt. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Stimmung aufgrund von Müdigkeit und Planungszusammenbruch leicht gedämpft, aber dieser Kerl war so sympathisch und freundlich, dass er das schnell revidierte. Er zeigte uns alles, sagte uns noch einige Tipps und Informationen und war prinzipiell sehr nett.

Wir stellten einen Tagesplan auf: 1. Einkaufen, 2. Dublin ansehen, 3. Abends Busse für die Folgetage buchen.

Punkt 1 war schnell abgehakt, da direkt ein Shoppingcenter um die Ecke lag. Es gab Vinegar Pringles, was Jonas sehr begeisterte. Und dann natürlich noch anderen Standardscheiß für Frühstück, Mitagessen, Abendessen, etc. Da am nächsten Tag Sonntag war, versuchten wir für alle Tage bis Montag mitzudenken.

Nun ging es endlich in die Stadt. Nach fast 11 Stunden des Unterwegseins begann nun also das Sightseeing. Mit dem Bus zur City Hall, denn dort gab es eine Aktion, nämlich folgende:

This is Dublin Castle

Da am 17.03 der St. Patricks Day war, ist Dublin noch grüner als sonst. Für eine Woche gibt es einige Aktionen und verschiedene Vergnügungsmärkte und alles ist in grün beleuchtet, etc. Im Rathaus gab es eine Art „Schnitzeljagd“, an der man teilnehmen konnte und bei der man die wichtigsten kulturellen Institutionen Dublins abhaken konnte und an jeder ein Rätsel lösen musste – quasi perfekt um eine Stadt erstmal kennenzulernen. Wir bekamen eine Tüte, den Zettel und eine Karte (Die Karte ist toll immer noch!) und planten erstmal den besten Weg zu allen Teilen. Theresa übernahm die Führung, das funktionierte prima und sollte allen anderen mit mir Reisenden mal zu denken geben, wieso sie immer mich vorlaufen lassen 😛

 

Kunst am Trinity College
eine hübsche alte Harf im Trinity College (Um genau zu sein die älteste noch erhaltene in diesem Land und quasi Symbol für Irland)
Und natürlich der „Long Room“ – bekannt aus Filmen wie „Harry Potter“, wenn den jemand kennt. Eintritt 10 Euro für einen Raum ist schon happig, aber es ist auch ein hübscher Raum!

Die einzelnen Stationen waren durchaus interesannt, aber unsere Aufnahmefähigkeit aufgrund von Müdigkeit begrenzt, weswegen wir außer dem Rätsel nur sehr marginal über den Tellerrand hinausschauten. Es war etwas bewölkt und deswegen freuten wir uns vor allem sehr auf den nächsten Punkt – das Musical „Let it be“, wegen dem wir die Schnitzeljagd aus Zeitgründen auch leider nicht vollenden konnten (Keine Ahnung, ob es etwas zu gewinnen gegeben hätte, aber es war auf jedenfalls ne nette Tour).

Mehr Kunst am Trinity College
Das Energy Gais Theatre – hier ging es dann in ein hübsches Musical

Zu Let it be: Die Jungs auf der Bühne haben das echt gut gemacht – man hatte das Gefühl, dass die Beatles wohl schon so ähnlich aufgetreten sein müssen, die Musik war großartig, nur „Musical“ ist der falsche Ausdruck, es war ein Konzert. Und auch das Publikum war etwas älter als auf den legendären Stadionkonzerten – eher so 60-65 und dementsprechend auch etwas verhaltener. Aber bei einigen Lieder stand der ganze Saal, alle haben getanzt und mitgesungen und man hatte das Gefühl, dass alle hier drin nochmal um 30 Jahre jünger geworden sind. Es war sehr schön, nur waren wir beide etwas müde, was in diesem dunklen, bequemen Raum vor allem bei den ruhigeren Liedern schwierig war, aber es war schön, definitiv, sehr.

Ein müdes Auge nach einem Konzert
Dublin in der Abendstimmung (Die Brücke ist schwenkbar, das ist sooo cool!!!)
buntes Gebäude, Kirche (Falschfarbendarstellung)

Im Anschluss sind wir noch am Fluss vorbeigelaufen, dessen Name ich nicht weiß (Liffey sagen Wikipedia und Theresa), wir hatten viele schöne Architektur, blaue Stunde, grünes Licht, Abendstimmung, ruhige Möwenschreie, die nur noch von den sanften Geräuschen des riesigen Vergnügungsparks mit diffizilem Bass überdröhnt wurden und die Temple Bar.

Ursprung des difizilen Basses
Ursprung mit Palme

DIE Temple Bar ist etwas falsch, es handelt sich um ein echt hübsches Partyviertel mit vielen Pubs und Straßenmusikern, durch welches wir hindurchspalanzierten, immer auf der Suche nach etwas zu Essen. Wir fanden: Überfüllte Pubs mit hübscher Musik, für die wir aber aufgrund von absoluter Fertigkeit keinen Nerv mehr hatten. Wir fanden nicht: Etwas ansprechendes gemütliches mit Sitzgelegenheit zum Essen. Also fuhren wir nach Hause, wo dann Sam mit Freunden kochte, weswegen die Küche blockiert war.

Temple Bar /(Falschfarbendarstellung) ((sagt Theresa)) (((ich finde, es transportiert die Emotionalität))) ((((Na egal, bis morgen!))))

Scheiß auf Essen, wir sind müde, war das allgemeine, daraus entstandene Konsens, weswegen wir uns ins Zimmer verzogen und viel googelte, Fahrten planten, Informationen durch die Gegend schleuderten, bis sie Sinn ergaben (oder auch machten) und schliefen zufrieden und sehr sehr müde ein…

Tanz der Lichter — (oder: „Es ist so unfassbar hell!“)

Lichter zogen über uns über den Himmel, Lichter zogen unter uns entlang, auf ein helles Licht fliegen wir nun zu. Wenn ich diese Reise irgendwie umtiteln müsste, fiele mir tatsächlich als einer der ersten Vorschläge „Reise ins Licht“ ein, obgleich wir die Sonne nun 8 Tage lang nicht sahen. Da heute der Rückreisetag ist und außer einer wunderschönen Aussicht wenig passiert, nutze ich die Zeit über Skandinavien und der Nordsee für den finalen Blogeintrag dieser Reise.

Gestern hatten wir verhältnismäßig wenig vor, Check-In, Filmaufnahme für Jonas’ Bewerbung und Internet waren unsere Pflichtpunkte, die recht schnell albhandelbar waren, weswegen wir die Zeit nutzten, um auszuschlafen. Um neun Uhr wachte Jonas auf, begann schonmal damit, alles aufzuräumen und ein wenig zu putzen, um später weniger tun zu müssen. Weiterhin schrieb er einen Blogeintrag und ging ins Bad, was er ungern machte, weil er dafür immer durch das Schlafzimmer von Markus und Nils gehen musste, was ihm viel zu kalt war. Im Nachhinein betrachtet können wir glücklich sein, dass wir diese Zimmersituation hatten: Jonas konnte das Wohnzimmer nachts auf eine laut Nils und Markus „unerträgliche Hitze“ bringen, Markus und Nils konnten laut Jonas „in einer Gefriertruhe“ schlafen.

Um elf Uhr beschloss Jonas, mal vorsichtig anzufragen, ob Aufstehen langsam eine Option wäre und bot gleichzeitig an, heißen Kakao zu machen. Das schien zu funktionieren und es kam langsam Leben in die Bude. Da wir noch (Vollkorn-)Pfannkuchen und viel zu viel Brot hatten frühstückten wir sehr ausgiebig und lange, während wir immer noch von den Nordlichtern schwärmten. Schließlich war es schon nach zwölf und der Tag schon wieder zur Hälfte herum, als wir aufbrachen.

Zuerst zum Flughafen, einchecken (es ist komisch, das nicht via Internet machen zu können, aber es geht ja zum Glück noch „analog“). Ein Parkplatzproblem hatten wir glücklicherweise nicht, da wir dreist genug waren, unseren Mietwagen auf den Mietwagenparkplatz zu stellen, getreu dem Motto „merkt eh keiner!“. Daraufhin begaben wir uns in den Flughafen und checkten uns ein, was problemlos funktionierte. Also weiter.

Programmpunkt Nummer zwei war ja eine Filmaufnahme für Jonas’ Filmhochschulbewerbung, die er den bisherigen Urlaub aufs sträflichste vernachlässigt hatte. Dafür mussten wir eine schöne Stelle finden, an der man gut Ukulele spielen konnte und die auch ganz hübsch aussah. Was Jonas filmen wollte: Sich selbst, wie er in schöner Landschaft Ukulele spielt, aber ich denke, das kam schon raus. Richtung Tromvik hatten wir ja am Tag davor nachts sehr schöne Aussichten, also versuchten wir die Strecke mal „tagsüber“ (Es war ja schon wieder 13:30 und die Sonne quasi weg). Nach einigen Kilometern fanden wir eine gute Stelle, gingen einige hundert Meter von der Straße fort zu einem Felsen und bauten alles auf. Das Stativ brach beim Aufbauen prompt in zwei Teile – ich sollte mal beginnen, darüber nachzudenken, nicht immer das gleiche Modell zu kaufen! Das ist Nummer 3 und wieder an einer unmöglichen Stelle gebrochen! Also improvisieren, zum Glück war genug Gaffertape vorrätig, um das ganze provisorisch zu fixen. Dann noch ein Licht in den Schnee stecken (eigentlich wollten wir auch Teelichter aufstellen, aber unser Feuerzeug war Schrott), mit Markus als Lichtdouble einleuchten und schon konnte der Hauptdarsteller seine Jacke ausziehen. Er bereute es sofort, musste da aber jetzt durch. Also auf den Felsen, Ukulele spielen, Jacke an, neue Einstellung, Jacke aus, Ukulele spielen, Jacke an.

Ein kleines Still aus den Filmaufnahmen
Ein kleines Still aus den Filmaufnahmen

Die Ukulele verstimmte sich in einer irrsinnigen Geschwindigkeit und Jonas’ Finger konnte er auch schon nicht mehr spüren, die musikalische Qualität hielt sich also in Grenzen. Nach einer endlos wirkenden Zeit war es geschafft. Nils nutzte den sehr ruhigen Ort, um Qi-Gong (oder sowas ähnliches) zu praktizieren, Jonas und Markus finden das recht amüsant. Auf dem Weg zurück zum Auto verlor Jonas noch ein Teelicht. Es kullerte den Hügel hinunter und weiß auf weiß im Dunkeln zu suchen war uns etwas zu anstrengend, weswegen wir das Teelicht Teelicht sein ließen. Wir hatten ja von ursprünglich 30 immer noch 29 (die haben wir übrigens immer noch. Wir haben nicht ein Teelicht angezündet. NICHT EINS!)

Nils in tiefster Meditation. Davor meine scharfe Ukulele
Nils in tiefster Meditation. Davor meine scharfe Ukulele

Wieder im Auto machte Jonas den Vorschlag, diesmal ganz bis nach Tromvik zu fahren, da die Strecke sehr schön und es nicht mehr weit war. Die beiden anderen hatten nichts dagegen, also machten wir uns auf den Weg, während wir die Känguru-Chroniken und das Manifest weiterhörten, damit verbrachten wir schon die letzten Tage unsere Autofahrten. In Tromvik stießen wir unverhofft auf eine Sackgasse, weswegen wir einmal über den Berg auf die andere Seite nach Rekvik fuhren. Was gibt es zur Strecke zu sagen? Sie war sehr schön, zweifelsohne, es war wundervoll, mal wirklich an der Küste zum Nordpolarmeer zu stehen und einen Sonnenuntergang über dem Meer genießen zu können.

Sonnenuntergangsstimmung, als es hinter dem Berg schon Nacht war
Sonnenuntergangsstimmung, als es hinter dem Berg schon Nacht war

Nils deklarierte diesen Ort zu einem der schönsten Punkte des Universums und gab sich seiner Schwärmerei voll und ganz hin. Also die Sonnenuntergangsstimmung, die Sonne sahen wir logischerweise nicht. Zurück durch wunderschöne Berglandschaften, beschloss Jonas einmal mehr, diese Kombi aus Meer und Bergen abgöttisch zu lieben, das ist unfassbar einzigartig.

Berge Berge Berge
Berge Berge Berge
Einer der eher grenzwertigen Parkplätze - wir waren aber zu keinem Zeitpunkt in Gefahr
Einer der eher grenzwertigen Parkplätze – wir waren aber zu keinem Zeitpunkt in Gefahr

Bis wir in Tromsø waren, war es schon wieder 17:00 Uhr. Die Zeit verging einfach viel zu schnell, weswegen wir den geplanten Aufenthalt im Kunstmuseum leider streichen mussten. Dafür hatte aber das Kino offen, Jonas lud den aktuellen Blogeintrag hoch, wir schrieben uns gegenseitig auf Skype und googelten dies und das.

Relativ schnell ging es allerdings weiter – der Hunger packte uns. An unserem letzten Abend gab es eine Asia-Reispfanne mit Süß-Sauer-Sauce, Gemüse und viel Fenchel. Wir stellten dabei fest, dass wir noch knapp 250 Gramm Nudeln hatten, deren Existenz uns ein großes Rätsel war. Wir hatten 2x500g Packungen und haben zweimal Nudeln gemacht. Jedes Mal gab es eine Packung. Das heißt, entweder gab es jedesmal ca. eine 2/3 Packung, oder wir hatten einmal nur 250g Nudeln für uns drei. Beides kommt uns unrealistisch vor, aber wir konnten keine zufriedenstellenende Erklärung finden. Während Markus und Nils kochten, begann Jonas schon damit, das Appartement zu saugen und seinen Koffer zu packen. Dabei war es ihm mal wieder ein Rätsel, wie das alles das reinpassen sollte, aber letztlich klappte es doch – wie immer. Das Essen war gut, nur zu viel, da Jonas und Nils davor noch die restlichen Pfannkuchen verspeist hatten. Anschließend nutzen wir die Gunst der Stunde, um Brote für den Flug zu schmieren, wir hatten ja genug.

Im Anschluss begann die fröhliche Packaktion, die Jonas frustrierte, weil Nils und Markus scheinbar leere Koffer hatten. Immerhin war sein Stativ zweigeteilt, sonst hätte es niemals noch reingepasst. Wir fanden heraus, dass wir beim Check-In einen Fehler gemacht haben – alle 3 Koffer fliegen nun unter Markus’ Namen. Das schien aber kein Problem zu sein, da wir einfach 3 Freigepäckstücke auf die Gesamtbuchung haben, er muss sich halt für all den Schmarren rechtfertigen, den wir dabei haben, wenn der Zoll ihn in München nicht rauslässt. Gleichzeitig wurde das Bad geputzt, die Küche gereinigt, alles an Ort und Stelle gebracht und wir hinterließen Lea, unserer Vermieterin ein kleines Gastgeschenk. Nach einiger Zeit war alles ins Lot gebracht und wir planten den Rest des Abends. Da es klar war, war für Jonas auch heute klar (keine Sorge, dieses Wortspiel bringe ich nie nie wieder), dass Polarlichter wohl die höchste Priorität hatten, man wusste ja nicht, wann sich das nächste Mal eine Chance ergab, welche zu bewundern. Als wir die Haustür hinter uns ließen, begrüßte uns die Aurora schon, sie zog gerade über Tromsø hinweg und war sehr gut zu erkennen, weswegen wir zum Hafen fuhren und das Licht über der Stadt betrachteten, es war allerdings nicht sonderlich stark, aber dennoch sehr hübsch anzusehen.

Der Himmel ber Tromsø (Und ein Nils, der nicht stillhalten kann)
Der Himmel über Tromsø (Und ein Nils, der nicht stillhalten kann)

Aus Sentimentalitätsgründen beschlossen wir, zu dem Ort zu fahren, wo wir das erste Mal Nordlichter sahen (Zumindest nannten wir es damals noch so). Schon auf dem Weg dorthin mussten wir oft halten, weil das Leuchten einfach so unfassbar stark wurde, dass wir ein schlechtes Gewissen gehabt hätten, das nicht gebührend zu beachten. Wo wir vorgestern ganz nette Lichtlein hatten, setzte der Himmel heute nochmal eines drauf. So waren die Lichter nicht nur unfassbar hell und tauchten die Stellen der Landschaft, von denen wir beim ersten Mal Vorbeifahren nur schwarz sahen, in ein magisches grünes Licht, das durchaus Vollmondhelligkeit überschritt und bedeckten fast den ganzen Himmel, sondern sie bewegten sich unfassbar schnell, tanzten über den Himmel, wechselten die Farben ins rötliche und bläuliche, schossen über uns hinweg, nur um sich in Spiralen um sich selbst zu drehen, die Richtung zu wechseln und eine unglaubliche Choreographie darzubieten. Ihr habt ja die Zeitraffer gesehen – stellt euch das in doppelt so schnell und detailreich vor. Nur, dass es sich um Echtzeit handelte. Fotografien oder Filme davon anzufertigen war nahezu unmöglich, weswegen Jonas das Schauspiel einfach genoss. Die Polarlichtvariabilität war trotzdem groß genug um euch abgesehen von diesen Bildern, die ausschließlich unserer Erinnerung innewohnen, einiges präsentieren zu können, was auch verschiedenste Formen beschreibt, die die Aurora annehmen kann. Alle Fotos aus diesem Blogeintrag sind nur wirklich kleine Ausschnitte der Realität, das muss gesagt sein!

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Wir landeten schließlich an unserem ersten Platz, blieben im Auto sitzen, aßen Kekse und hörten Känguru, während wir die Vorstellung genossen. Gegen Mitternacht war das Polarlicht so schwach, dass wir beschlossen, nach Hause zu fahren und noch ein wenig zu schlafen. Es war zwar noch recht hell und hübsch, aber man bekommt ein ganz anderes Verhältnis, wenn man erlebt hat, was wir erleben durften (Wir sind zu wahren Nordlicht-Snobs verkommen!). Ich habe mal nachgesehen: Das Polarlicht vorgestern war Stufe 4, das gestern schätze ich auf 4,5-5. Die Skala geht bis neun. Ich glaube, so muss sich dann der Weltuntergang anfühlen.

Nach Hause fuhren wir einen Panoramaweg durch Tromsø, einerseits, weil wir noch Tanken mussten, andererseits, um die Stadt gebührend zu verabschieden. In unserer Unterkunft spülten wir noch das letzte Geschirr ab, packten die letzten Dinge in unsere Koffer und begaben uns ins Bett.

Der Wecker klingelte viel zu früh. Vier ist eine gemeine Uhrzeit. Aber so hatten wir noch genug Zeit zum Frühstücken und Wachwerden. Ein bisschen wehmütig packten wir unsere Koffer ins Auto und fuhren zum Flughafen, stellten das Auto ab, Jonas nahm sich nochmal 3 Minuten, um Norwegen auf Wiedersehen zu sagen und wir begaben uns in den Flughafen, um unsere Koffer aufzugeben. Das Gewicht war diesmal gar kein Problem, Jonas hatte 22kg, Nils 19kg und Markus unfassbare 17kg – wie ist uns ein Rätsel bei den Unmengen an Steinen, die er exportiert. Jonas’ Koffer wollte das Selbstbedienungsterminal nicht akzeptieren, weswegen wir ihn am Schalter aufgeben mussten – aufgrund von genügend Zeit war das aber kein Problem. Schnell durch den Sicherheitscheck (nach den 20 Flugzeugbesatzungen, die sch vorgedrängelt hatten – wir hatten die falsche Schlange!) und schon waren wir am Gate, wo das Boarding auch bald begann.

Flughafen Tromsø - und los geht die Reise!
Flughafen Tromsø – und los geht die Reise!
Unser Flugzeug - lustigerweise waren die Tromsø-Oslo Flieger allesamt größer als die Oslo-München Maschinen
Unser Flugzeug – lustigerweise waren die Tromsø-Oslo Flieger allesamt größer als die Oslo-München Maschinen

Der Flug von Tromsø bis Oslo verlief ereignislos, es gab ein paar Turbulenzen, wir drei schliefen viel und im Landeanflug auf Oslo konnte man einen Sonnenaufgang erahnen.

Nordnorwegen aus der Luft - Straßen in der Finsternis
Nordnorwegen aus der Luft – Straßen in der Finsternis
Wie man sieht: Wrong Side...
Wie man sieht: Wrong Side…

Jonas bemerkte einen Konzeptfehler in der Sitzplatzwahl – wenn man nach Süden fliegt ist Osten in Fahrtrichtung links. Natürlich saßen wir rechts. Glücklicherweise machte das Flugzeug über Oslo eine 180° Wende, weswegen wir Blicke auf die Morgenstimmung und den schönen abnehmenden Mond erhaschen konnten. Es war ein komisches Gefühl, zu landen und zu wissen, wenn man wieder startet, wird man die Sonne sehen…

Und nun sind auch wir auf der hellen Seite!
Und nun sind auch wir auf der hellen Seite!

Das Flugzeug parkte im internationalen Terminal, von wo aus wir mit einem Bus ins nationale gebracht wurden. Dort realisierten wir, dass wir nicht checken konnten, ob unser Gepäck durchgecheckt wird oder nicht, da wir dafür aus dem Securitybereich rausgemusst hätten und wir keine Lust hatten, dass es zeitlich doch eng wird. Deswegen beschlossen wir einfach, auf das Beste zu hoffen – wir werden in München ja sehen, ob etwas fehlt. Im Anschluss hatten wir eine lange Fußstrecke vor uns. So nett es auch war, dass der Bus uns vom internationalen Terminal wegfuhr mussten wir nunmal genau da hin. Auf dem Weg zählte Markus unser verbleibendes norwegisches Bargeld, es waren 18NOK, davon wollte jeder 1NOK behalten – blieben 15NOK zum verprassen! Das war gar nicht so einfach, bis wir etwas gefunden hatten, das billig genug war: 3 Lutscher für jeweils 5NOK. Perfekt, dachten wir uns und kauften sie.

THE LOLLIPOP-GANG!
THE LOLLIPOP-GANG!

Wir gingen weiter und bis wir an unserem Gate angekommen waren, begann das Boarding quasi eh schon – man vernachlässigt immer, wie lange das alles doch dauert. Diesmal standen wir aber ganz vorne, kamen mit als erste ins Flugzeug und konnten straight nach hinten durchlaufen (Denn aus filmischen Gründen sitzen wir immer möglichst weit hinten, um wenig Flügel im Bild zu haben). Auf die Rollbahn, noch schnell enteisen und los ging es. Nach guten 2 Minuten durchbrachen wir die Wolkendecke und sahen die Sonne.

Das Gefühl war unglaublich und Jonas war völlig geblendet von dieser Helligkeit. Das ist doch nochmal was anderes als eine ständige Morgen/Abendstimmung. Jonas quittierte das mit dem völlig erstaunten Ausspruch „Es ist so unfassbar hell!“

Wolken! Licht! Hell! Igittigittigitt!
Wolken! Licht! Hell! Igittigittigitt!
Der große weite Ozean...
Der große weite Ozean…

Das ist es immer noch. Wir befinden uns in der Luft und werden wohl in 40-50 Minuten in München landen. Wenn diese Reise noch etwas zu bieten hat, werdet ihr es erfahren, wenn nicht endet diese Reise hier. Es hat Spaß gemacht zu schreiben und ich werde das auf jeden Fall weiterführen, das genaue Konzept überlege ich mir heute, wenn ich wieder in meinem Büro/Klavierzimmer/zu Hause sitze.

Der Flug neigte sich dem Ende zu und Jonas war helligkeitsmäßig weiterhin überfordert. Wie Nils es nannte „Das hier ist Elysium! Die Stadt aus Licht!“, Jonas fragte zweifelnd: „Bin ich im Himmel?“, woraufhin Markus sagte: „Ja, das bist du…“. Die Landung in München war schön und unschön zugleich. Einerseits waren wir enttäuscht über die nicht vorhandene Sicht und die Suppe über Bayern, wir sind nunmal jetzt sehr klare Luft gewöhnt.  Auf der anderen Seite lag Schnee, was uns natürlich freute, da wir so nicht das Gefühl haben mussten, wieder in den Sommer geflogen zu sein.

Anflug auf ein weißes München
Anflug auf ein weißes München

Nun sitzen wir am Gepäckband, Jonas und Nils haben ihr Gepäck bereits und Markus wartet noch. Wiederholt sich die Geschichte und es ist wieder sein Koffer, der in Oslo stehengeblieben ist? Wir hoffen es nicht und ich halte euch auf dem Laufenden.

Nun sitze ich wieder in Regensburg. Ich habe Internet. Durchgängig. Das ist seltsam. Was noch geschah: Markus Koffer ist fürs erste nicht da, das Schicksal mag ihn nicht – zum zweiten Mal seiner (Das liegt an den Steinen, ich sags euch!). Wir hatten wieder eine sehr angenehme Rückreise dank sympathischem Fahrdienst – herzlichen Dank dafür nochmal! Jetzt sitze ich hier und rekapituliere die Reise, es ist fünf nach drei und immer noch hell, heller als wir es über 8 Tage hatten, das ist ein extrem seltsames Gefühl, daran muss ich mich noch gewöhnen. Immerhin liegt Schnee.

Was noch zu sagen ist:

Lieber Nils, wir beide hatten Premiere, dies war unsere erste gemeinsame Reise. Was ich sagen kann: Das Experiment ist geglückt und ich bin und war froh um jede Sekunde, die ich dich um mich hatte. Du bist ein wunderbarer, eigensinnig-unangepasster, konfliktbereiter Reisepartner, mit dem ich mich sowohl gern über Gott und die Welt zerzupfe und ebenso sehr wieder versöhne, wenn wir merken, dass der Grund unseres Streites die Wortdefinition eines Lutschers ist. Oder Teelichter. Oder was auch immer – ich google das! Und hör verdammt nochmal auf, immer recht zu haben, diesmal hast du mir Angst gemacht!

Lieber Markus, du bist ein wunderbarer, anpassungsfähiger, konfliktarmer Reisepartner, mit dem ich weiterhin gerne die Weltgeschichte besser kennenlerne, ich freue mich auf alles weitere und bin auch über diese Reise sehr dankbar und unglaublich froh, sie mit dir gemacht zu haben. Du bist ein wunderbarer Ruhepol, der mir in meinem völlig überdrehten Phasen seh gut hilft, mal wieder unter den Teppich zu kriechen.

Danke euch beiden, dass ihr mich weitestgehend ertragen habt, dass ihr mich zwar kontinuierlich verbessert habt, wenn meine Wortwahl wieder keinen Sinn machte, wenn ich das Auto an unmöglichen Stellen abmarkte, als ich euch Berge hochtrieb und immer voller Aktionismus keine freie Sekunde lies, um mal zu entspannen. Ich habe diesen Urlaub sehr genossen und werde noch lange davon zehren, ich hoffe, ihr tut das auch!

Es war mir eine Ehre und so bleibt nur noch dieser eine Satz:

It was a magic experience!

Som himmel brinner. DEN HIMELEN BRÅNNSAR!!

Die Berge aus dem Fenster betrachtend und an den Fotos arbeitend ist Jonas gerade sehr froh darüber, den heutigen Beitrag wieder auf seiner Schlafcouch zu schreiben und nicht ständig besserwisserische Kommentare zu haben, die ihn verbessern, völlig ohne, dass die Kommentargeber irgendwas eigenes schreiben würden (Ja Nils, Ja Markus, fühlt euch angesprochen!)

Der erste Januar endete in einem brennenden Himmel. Wie ich schon schrieb hielten wir kurz vor Kiruna, einer kleinen schwedischen Stadt mit ca. 18.00 Einwohnern. Wir sind uns nur begrenzt sicher, was die da anstellen, in jedem Fall schaffen sie es problemlos, Tromsø helligkeitsmäßig zu toppen. Fast so als würden sie ständig riesige Halogenscheinwerfer auf den Himmel gerichtet haben, damit auch die Wolken schön leuchten. Für uns, die davor über fast 300km so gut wie kein Licht sahen war das natürlich ein Kulturschock. Dennoch versuchten wir zu schlafen, was so mehr oder minder gut gelang – Markus und Nils war es zu hell, Jonas war es zu kalt. Aber nach guten sieben Stunden war das Martyrium beendet und wurde durch ein Aufstehmartyrium ersetzt. Nach viel gutem Zureden schafften wir es allerdings, uns gegenseitig alle zum Aufstehen zu bewegen.

DSC01702
Unsere Lichtverhältnisse in der Nacht. Symbolbild (Ich geb’s zu, es ist leicht überzogen, aber weniger stark, als ihr denken mögt!)

Die Fahrt führte uns nun logischerweise als erstes durch Kiruna durch – die Gelegenheit nutzten wir gleich zum Tanken. Jonas für seinen Teil suchte in der Tankstelle noch ein kleines Schwedensouvenir und fand es auch in Form einer Babyglückwunschkarte (Fragt nicht, sie sah schön aus!).

Tankstelle in Kiruna
Tankstelle in Kiruna

Und schon rasten die Helden weiter durch die Nacht (während sie sich natürlich strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten). Sonne erhellte die Berge um sie herum sukzessive, sodass sie sogar etwas von der wundervollen Landschaft sehen konnten. Der nächste Zwischenhalt war Abisko – über das Jonas auf Wikipedia ausschließlich herausfand, dass es scheinbar einen netten Bahnhof hatte. Dagegen kann man nichts sagen – er war in jedem Fall sehr ungewöhnlich.

Zufahrt auf Abisko
Zufahrt auf Abisko
Das Lagerhaus.. ähm Pardon der Bahnhof von Abisko
Das Lagerhaus.. ähm Pardon der Bahnhof von Abisko

Doch weiter durch die Landschaft, wir suchten einen bestimmten Berg (bzw. eigentlich ein Tal), ein Naturdenkmal, dessen Name ich vergessen habe (Verflucht seist du, Google! Du und alle deine Nachkommen bis ins siebte Glied! LAPPORTEN! Das wars!) – eine Art kreisrundes und sehr prägnantes wie riesiges Loch in einem der Berge – wir fanden es schlussendlich (es war sehr schwer zu übersehen) und kehrten um, da es in unserem Rücken lag und wir lieber darauf zufuhren. Im Anschluss ging es weiter, bis Jonas im Rückspiegel sah, dass besagter Lapporten gerade wunderschön über der Straße thronte. Also starke Bremsung, Wendung und wieder zurück, darauf zu. Villeicht sollte man erwähnen, dass wir all diese Wendemanöver in einem Lawinengefährdungsgebiet ausübten, in dem Anhalten strengstens verboten war. Aber wir hielten ja auch nicht wirklich, sondern änderten nur unsere Vektorgeschwindkigkeit ins negative. (Ja gut, ich bin kein Physiker)

Der Lapporten. Wie Nils sagte: Da hat sich die Vegetation wohl auch verarscht gefühlt
Der Lapporten. Wie Nils sagte: Da hat sich die Vegetation wohl auch verarscht gefühlt
Schöne Landschaft
Schöne Landschaft

Die Landschaft war atemberaubend – wir fuhren durch ewige Schneelandschaften neben einem großem See durch wunderschöne Berge, die von der Sonne rosa bis fliederfarben angeleuchtet wurden. Alles fühlte sich total unecht und gemalt an, aber wunderschön gemalt. Jonas wünschte sich von Nils, dass er ihm irgendwann ein Bild malte, das diese schöne Realität anzunehmen und wiederzugeben vermochte. Nils verzweifelte daraufhin und stürzte in eine tiefe Depressionskrise, aus welcher er sich immer noch nicht vollends erholt hat („Man kann esnämlich nicht mischen!“ – Nils).

Der Himmel über Schweden
Der Himmel über Schweden
So ungefähr müsst ihr euch die Farbe vorstellen. Nur viel schöner...
So ungefähr müsst ihr euch die Farbe vorstellen. Nur viel schöner…

Kurz darauf beschloss Jonas, einen Schneeengel machen zu wollen und wenige Sekunden später kam eine Parkbucht, weswegen er wieder recht scharf bremste, was ihm von Nils und Markus daraufhin zum wiederholten Male verboten wurde. Das Problem ist, dass die Parkbuchten immer erst sehr spät als solche zu erkennen sind, aber Jonas gelobte Besserung. Die folgenden zehn Minuten vergingen damit, dass Jonas sich selbst winterfest anzog (Also viele Schichten, Schneehose, dicke Handschuhe, 2 Mützen, 2 Schals, etc.), immerhin wollte er den Schnee jetzt gleich berühren. Währenddessen tollten Nils und Markus schon im Schnee herum und brachen willkürlich Stücke heraus, da er sehr hart war. Dann war Jonas fertig, begab sich ins Getümmel und sank tief ein. Aber egal – er kämpfte sich weiter bis er eine geeignete Stelle für den Engel gefunden hatte und verewigte sich im Schnee. Zumindest bis zum nächsten Wind. Oder Schnee. Oder Schmelze. Oder was auch immer – nichts bleibt für die Ewigkeit. Da die Temperaturen zu diesem Zeitpunkt das bisherige Minimum von -12,5°C errichten, versuchte Nils, Seifenblasen gefrieren zu lassen, die wollten anfangs nicht ganz, doch am Ende erbarmte sich eine und fror leicht an. Anders als vermutet zersplittere sie bei Berührung allerdings nicht, sondern ging eher ein wie ein Luftballon, was interessant anzusehen war.

Jonas neben sehr hartem Schnee
Jonas neben sehr hartem Schnee
Toller (Schnee)EISengel
Toller (Schnee)EISengel
hübsches Gruppenfoto von uns drei Süßen (Jonas mal wieder etwas anhänglich, aber es fands einfach zu fad, immer wie drei Bohnenstangen dazustehen. Und so war die Bildaufteilung irgendwie schöner.
hübsches Gruppenfoto von uns drei Süßen (Jonas mal wieder etwas anhänglich, aber es fands einfach zu fad, immer wie drei Bohnenstangen dazustehen. Und so war die Bildaufteilung irgendwie schöner.
idyllisches Dörchen im Nichts
idyllisches Dörchen im Nichts
mit Monduntergang!
mit Monduntergang!

Anschließend erreichten wir auch schon die Grenze, sie war unspektakulär. Das norwegische Grenzschild war im Gegensatz zu den EU-Schildern, die wenigstens Sterne hatten, einfach nur ein kleines blaues Schild, auf welchem „Norge“ stand und es war einsprachig. Wir fuhren daran vorbei – nichts passierte. Schengen ist doch eigentlich ganz cool, dachten wir uns. Noch vorbei am Zoll, durch den wir auch einfach durchfuhren und schon wieder waren wir in Norwegen. Sonst änderte sich nichts.

Ein paar Kilometer weiter sahen wir ein Hinweisschild auf ein Infoschild über „Narvik 1940“. Da die Landschaft sehr schön war, beschlossen wir, dort mal hinzugehen. Der eigentliche Weg war nicht mehr zu erkennen, der Schnee allerdings sehr hart, weswegen wir problemlos darüber laufen konnten. Durch kalten Wind wurden die paar Meter sehr unangenehm, weswegen wir uns an dem Gedenkplatz für den zweiten Weltkrieg nicht allzu lange aufhielten und nur unseren Kopf schütteln konnten, wenn wir darüber nachdachten, dass an diesem wunderschönen Ort und unter diesen widrigen Bedingungen Krieg geführt wurde.

Blick vom Aussichtspunkt auf einen wunderschönen Himmel
Blick vom Aussichtspunkt auf einen wunderschönen Himmel
Ja, so sieht das da wirklich aus
Ja, so sieht das da wirklich aus
Es war windig. Es war kalt. Und dieses Foto ist nicht gestellt.
Es war windig. Es war kalt. Und dieses Foto ist nicht gestellt.

Kurz darauf begegneten wir wieder einem Fjord und fühlten uns schon fast wieder zuhause, obwohl wir noch gute 350 Kilometer vor uns hatten. Nun führte unsere Fahrt uns wieder durch vertraute norwegische Küstenlandschaften und wir versuchten, unseren Weg zu finden, da das Navi am Anfang der Strecke ausgefallen war. Wieso ist uns ein Rätsel, es macht viel, nur nicht das, was es soll. Deswegen musste Markus Jonas ganz klassisch mit Straßenkarte navigieren. Da wir aber gut vorbereitet waren, bogen wir nur einmal falsch ab und bemerkten das auch recht schnell. So kamen wir pünktlich um 12:15 bei unserem nächsten Zwischenstopp an: Dem Polarpark!

gefrorener Fluss als Klischeebild für Winterlandschaft
gefrorener Fluss als Klischeebild für Winterlandschaft

Der Polarpark ist eine Art Zoo/Tierpark, in dem einige nordischen Tiere zu besichtigen sind. Am Wochenende ist um 13.00 Uhr immer eine kostenlose Führung im Eintritt inbegriffen, die wir natürlich wahrnahmen. Doch noch bevor sie begann sahen wir bereits einen Hirsch, was Jonas restlos begeisterte, da es der erste echte Hirsch seines Lebens war (Zumindest der erste, an den er sich erinnern konnte) und zwei Luchse, die um Längen zutraulicher waren als man es aus dem bayerischen Wald gewohnt ist. Dort haben sie villeicht ein Viertel der Gehegegröße und man sieht sie trotzdem nie (außer Nils). Die Katzen hier sahen Menschen und ihre erste Reaktion war auf sie zuzugehen.

HIRSCH!
HIRSCH!
LUCHS! (Male)
LUCHS! (Male)
LUCHS! (Female)
LUCHS! (Female)

Unser Guide erschien pünktlich um ein Uhr und begann seine Führung. Über die Luchse erfuhren wir noch, dass sich dort eine große Familientragödie abspielte. Noch vor einem Jahr waren dort eine alte Lüchsin mit ihrer Tochter die einzigen Bewohner. Im Frühling dann kam Chaos in die familiäre Idylle. Ein Männchen zog zu dem beiden in den Käfig, in der Hoffnung der Tierpfleger, es würde mit der jungen Lüchsin Babys machen. Der Luchs stand allerdings offensichtlich eher auf ältere Frauen und zog die Mutter vor (Übrigens laut Guide ein Tier, mit dem man gut arbeiten kann). Da wiederum kränkte die junge Lüchsin (laut Guide übrigens eine ziemliche Zicke) so sehr, dass sie ihrer Mutter ewige Feindschaft schwor und sie auch gleich zur Bestätigung attackierte. Die beiden mussten getrennt werden und die Mutter lebt nun alleine mit drei kleinen Jungen im Nachbargehege. Unser Führer fütterte die Jungtiere noch ein wenig und sprach dabei die Warnung aus, wir sollten uns den Raubkatzen nicht nähern. „They will hurt you. All of them!“

Weiter ging es zu den Wölfen. Die waren schrecklich unfotogen, da sie sich schnell bewegten und der Autofokus der Kamera es ständig vorzog, den Zaun zu fotografieren und nicht die Tiere. Ein paar nette Bilder sind dennoch darunter. Der Tierpfleger erzählte uns noch davon, wie die Wölfe sozialisiert werden, indem sie täglich mit Menschen konfrontiert werden (Hätten wir auch machen können, aber war uns mit 150 Euro doch etwas zu teuer, villeicht ein anderes Mal) und an für sie ungewohnte Geräusche gewöhnt werden. Im Anschluss versuchten wir noch, die Wölfe zum heulen zu bringen. Ganz einfach, indem wir selbst heulten. Ja, das funktionierte tatsächlich. Alle stimmten sie ein und auch im Nachbargehege, wo die älteren Brüder untergebracht waren ging die Post ab. Wir überlegten, warum sie das eigentlich machten (Soziale Konventionen? „Man macht das halt so“ – Gruppenzwang? Eine Art „Wurmfortsatzinstinkt“? Für die gruselige Atmosphäre im Wald, weswegen auch Uhus uhuhen?- wenn ihr da was wisst, sagt gerne Bescheid!)

Im Anschluss gab es noch Füchse, die waren süß und weiß und flauschig. Die Bären schliefen leider, aber das ist im Winter scheinbar so, kann man nichts machen. Während die Sonne immer weiter verschwand, machten wir noch einen Abstecher zu den anderen Gehegen, wir kreuzten noch ein Elchpaar und Moschus, die man allerdings aufgrund von Entfernung und Dunkelheit nicht mehr ganz so gut sehen konnte.

Auch der Sonnen"untergang" war hübsch
Auch der Sonnen“untergang“ war hübsch

Unser Weg führte uns wieder in die Finsternis, wenngleich sie auch nicht so finster war, wie die Finsternis in Finnland. Überall waren Straßenlampen, Autos, Häuser und neuerdings auch Sterne, was uns freute, weil es ein gutes Polarlichtomen war. Jonas für seinen Teil war eine Schande für sich selbst durch seine Abblendfähigkeiten, kein Peil, was da in seinem Gehirn schiefgelaufen ist, auf jedenfalls vergaß er das Fernlicht immer wieder und wurde auf die harte Tour von LKW-Fahrern, die es dann auch „vergaßen“ darauf aufmerksam gemacht. Was wir auf dem Rückweg noch machten, war Einkaufen, wir kamen so schön an einem Spar vorbei, also füllten wir unsere Vorräte nochmals auf – wohl zum letzten Mal für diese Reise. Kurz vor Tromsø sahen wir dann leichte Polarlichter und viele Sterne, weswegen Jonas kurz ausstieg und viele Fotos machte (Im Nachhinein kommt mir das so richtig lächerlich vor, aber dazu gleich mehr).

Und ein süßes Polarlichtchen
Und ein süßes Polarlichtchen

In Tromsø angekommen, parkten wir unser Auto hinter der Bibliothek und gingen ins Kino um wieder mal Internet zu haben, für Wetterbericht und Blog. Das funktionierte im Schnitt ok, Markus hatte gar keine Probleme, Jonas kam irgendwann rein und dann lief es und Nils’ Kindle wollte nicht anspringen (wohl wegen Akku), was seinen Internetgenuss stark einschränkte. Wir waren aber eh nicht lange da, wir wollten ja noch Abendessen.

Apropos Abendessen: Erinnert ihr euch noch an das Mehl, das Jonas vor einigen Tagen gemahlen hatte? Nun kam es zum Einsatz, denn es gab Pfannkuchen! Ok, nennen wir es gleich Vollkornpfannkuchen nach Geheimrezept mit selbstgemahlenem Mehl. Jonas musste ein wenig experimentieren, da diese Pfannkuchen völlig andere Konsistenz, Reisfestigkeit und Wendeeigenschaften hatten. Nach 3 Versuchen hatte er den Dreh allerdings raus und erzeugte Pfannkuchen, was das Zeug hielt. Währenddessen saßen Markus und Nils am Tisch, aßen Jonas’ Erzeugnisse und schmierten auch ihm ab und an einen Pfannkuchen, den er dann in der Küche verspeiste. Die Bilanz des Abends ist ordentlich: Ca. 6 auf Nils’ und Markus’ Seite, Jonas schaffte 2, viel Käse wurde vernichtet und alle waren satt.

Die Pfannkuchen. Ganz anders als normale, aber sehr lecker!
Die Pfannkuchen. Ganz anders als normale, aber sehr lecker!

Jonas bearbeitete Fotos, während die beiden ihren Mägen eine kurze Chance gaben, all das Essen zu verdauen und zusätzlich den Tisch abdeckten. Unser Plan für den Abend war noch sehr reichhaltig, da der Himmel weiterhin völlig klar war, war klar, wir mussten auf Polarlichtjagd gehen. Wir hatten noch einen Ort im Hinterkopf, den wir auf einer unserer Tagestouren entdeckten, dort sollte es hingehen. Auf dem Weg sagte zuerst Nils: „Jonas, egal, wie hell es hier ist, bleib stehen! Jetzt! Das hast du noch nicht gesehen!“ und kurz darauf Markus: „Jonas, bleib stehen! Jetzt! Da draußen ist ein unfassbar starkes Polarlicht.“ Also blieb ich stehen, obwohl die Lichtverhältnisse recht suboptimal waren – und mir blieb die Spucke weg. Was auch immer wir bisher gesehen haben, es waren keine Polarlichter, denn der Himmel über Norwegen brannte grün. Trotz der Straßenlaternen konnten wir klare Zeichnungen erkennen, das Erlebnis war einfach unfassbar, weswegen ich hier einfach mal einen Zeitraffer des Abends einfüge.

Als die Lichter etwas schwächer wurden (und immer noch weitaus stärker als alles waren, was wir bisher gesehen haben), beschlossen wir, einen Positionswechsel durchzuführen, weswegen wir weiterfuhren. Nach guten 15 Minuten kamen wir an unserem angestammten Platz an, hier war alles schön dunkel, weswegen wir beschlossen, erstmal hierzubleiben. Während wir völlig begeistert auf den Himmel starrten, kam ein joggender Norweger mit Hund vorbei, den Nils grüßte, woraufhin er ein wenig mit uns plauderte. Jonas kommt mit einigen seiner Sätze immer noch nicht klar, so sagte er beispielsweise, all diese Nordlichter wären kein „Big deal“ für ihn, er sei nunmal „used to it“. Er fände es faszinierend, dass Leute aus aller Welt hierherkämen, um das anzusehen und wie lustig es doch sei, dass Menschen aus großen Städten zum Urlaub in die Einsamkeit fuhren, während er und seine Kumpels immer in große Städte fahren würden. Also wir Regensburg als eher kleinere Stadt bezeichneten, musste er lachen und sagte, er könne sich niemals vorstellen, in einer Metropole wie Tromsø zu leben. Nochmal zum Verhältnis: Regensburg=2xTromsø!

Er ging wieder seiner Wege und wir gaben uns erneut unserer Überforderung hin. Die Fotos können die Realität diesmal allerdings wirklich nicht abbilden, da es sich nur um Abschnitte handelte. Stellt euch vor, so sieht der ganze Himmel aus. Wirklich überall. Es ist der Wahnsinn. Irgendwann war alles so grün, dass man kein einzelnes Polarlicht mehr erkennen konnte, wir beschlossen, das für einen erneuten Positionswechsel zu nutzen – einmal um den Berg herum, dass das Nordlicht direkt vor unserer Nase war und nicht mehr hinter dem Berg. Also auf zur Küste und dem Nordpolarmeer! Der Weg dorthin war abenteuerlich, da die Straße sehr eng und kurvig war und es sehr schwer abzusehen war, wo es glatt war und wo nicht, was uns die ein oder andere Schlittenpartie einbrachte. Wir kamen allerdings gut an, fanden einen schönen Ort zum Halten und genossen die wunderschöne freie Sicht auf dieses unglaubliche Himmelsphänomen.

So verging die Zeit und es wurde Mitternacht. Markus äußerte eine gewisse Menge an Müdigkeit, wir stimmten zu, immerhin war der Tag sehr lang. Auf dem Rückweg kamen wir noch in eine allgemeine Polizeikontrolle, die wir allerdings ohne weitere Komplikationen hinter uns ließen. Zuhause angekommen, begann Jonas damit, die Fotos zu klassifizieren, Zeitraffer zu erstellen und Fotos zu bearbeiten. Dann ging er ins Bett, als die beiden anderen schon tief schliefen und von brennenden Himmel träumten…

Kolme maata pimeys

Heute war primär ein Reisetag. Nachdem wir doch eher spät ins Bett kamen, sind wir noch später aufgestanden (Nils: „Soll ich seine qualitative ähm.. ja Wortwahl heben? Wir streichen ihm einfach manche Konjunktionen! Zum Beispiel Nachdem! Und danach auch! Außerdem darf er keine Wörter mit Personalpronomen beginnen.“ Markus: „Er beginnt Wörter mit Personalpronomen?“ Nils: „Wir?“ Markus: „Das ist..“ Nils:“..ein Personalpronomen?“ Markus: „Ja und er beginnt keine Wörter damit.“ Nils: „Ich meinte Sätze!“ – Jonas tippt wie ein Wilder – Markus: „Du wärst echt nicht gut als… ähm… dinge.. Protokollant!“ Nils: „Stenograph!“ Markus: „Genau! Das wollte ich sagen!“ Nils: „Könnte damit zusammenhängen, dass er auch keine Stenographie betreibt!“ Markus: „Könnte das verstärken!“)

Also dann halt anders: Frühstück war etwas, was wir wie jeden Tag begingen, diesmal stand Jonas wieder vor den beiden auf und begann damit, abzuspülen und aufzuräumen. Im Folgenden gab es Frühstück und wir vollbrachten unsere tägliche Morgentoilette. Die folgenden Stunden verbrachten wir damit, für unsere lange Reise zu packen und zu überlegen, was wir mitnehmen mussten, da wir nichts vergessen wollten, wobei wir uns sicher waren, dass wir eh etwas vergessen würden, was das aller wieder hinfällig machte. Aber irgendwann waren wir schließlich soweit, guten Gewissens starten zu können!

Wie fasse ich die Zeit von unserem Start in Tromsö bis jetzt gerade am Besten zusammen? Jonas (Ich darf ich nicht schreiben, das wäre ein Personalpronomen) glaubt, die Wörter „Dunkel“ und „Wind“ beschreiben unsere herrliche Fahrt durch friedliche Landschaften, die wir allerdings nicht sehen konnten, sehr gut, weswegen ihr hier auch sofort eine Bildergalerie mit Reiseimpressionen bekommt, bevor ich auf besondere Geschehnisse und Einzelepisoden der ereignisreichen Reise eingehe.

Ja, an dieser Eurostraße gab es Infotafeln. Viele. Ständig!
Ja, an dieser Eurostraße gab es Infotafeln. Viele. Ständig!
  1. DAS MITTAGESSEN:

Zu Mittag speisten wir noch in Norwegen. Serviert wurde Brot. Dazu Beläge. Im zweiten Gang Früchte. Für die Leute, die Bock hatten. Währenddessen: Wind. Und Dunkelheit.

Nils - skeptisch wie immer
Nils – skeptisch wie immer
Markus' "Jonas hör auf, Fotos zu machen"-Blick
Markus‘ „Jonas hör auf, Fotos zu machen“-Blick

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2. DIE FINNISCHE GRENZE:

Pinguine befiel Unmut. So viele Eiskristalle schwebten durch die Luft. Aber nicht nur das, sie attackierten uns regelrecht. In Schwärmen ergossen sie sich den Hügel herunter. Des Weiteren lässt sich klar erkennen, welche Seite die EU-Seite ist: Mehr Schilder. Und mehr Sprachen. Sonst änderte sich nichts. Weiter ging es durch die Dunkelheit.

Nehmt dieses Bild, subtrahiert alle Lichtinformation und addiert Wind, dann habt ihr unsere Situation
Nehmt dieses Bild, subtrahiert alle Lichtinformation und addiert Wind, dann habt ihr unsere Situation
Finnische Grenze. Und das schlechteste Bild, das Jonas je gemacht hat. Aber es hat ihm die Kamera mehrmals umgeweht - ich hoff das gilt als Ausrede
Finnische Grenze. Und das schlechteste Bild, das Jonas je gemacht hat. Aber es hat ihm die Kamera mehrmals umgeweht – ich hoff das gilt als Ausrede

3. ANHALTER IN KILPISIVÄRI

Kurz hinter der finnischen Grenze passierten wir Kilpsiväri. Darüber gibt es nicht so viel zu erzählen, abgesehen davon, dass wir durch fuhren und zwei Anhalter passierten. Jonas für seinen Teil fuhr langsamer und überlegte kurz, Markus brachte das berechtigte Argument, dass wir die niemals in unser Auto bekämen, was überzeugend genug war, um Jonas zum Weiterfahren zu bewegen. Nils klinkte sich ein, dass das jetzt wohl sehr unhöflich war – erst fast stehenbleiben und dann direkt vor der Nase wegfahren – aber wir waren uns einig, dass zurückkehren und ihnen erklären, wieso sie bei uns keinen Platz haben eine noch dummer Option war.

4. TANKSTELLE SCHWEDISCHE GRENZE

Wie über Wolken fuhren wir durch Finnland (Zumindest fand Jonas das, weil die Straße eine einzige sich bewegende Schneewehe war und der Weg unter dem fliegendem Schnee nicht mehr zu erkennen war, weil Wolken aus Eiskristallen den Asphalt verdeckten, weil die Scheinwerfer nicht mehr durch das Schneegestöber drangen (Jonas ist im übrigen der einzige, der das „Schneewehe“ nennen würde, Nils und Markus finden, das vermittelt ein falsches Bild)). Dort haben wir öfter angehalten, es war dunkel und windig. Sonst passierte nichts. Irgendwann erreichten wir Karesuanto (ein finnisch-schwedisches Dorf, später Karesuando (auf der schwedischen Seite)), dort fanden wir eine Tankstelle, deren Dienste wir in Anspruch zu nehmen versuchten.

Tankstelle in Karesuanto
Tankstelle in Karesuanto
Tankstellenshop in Finnland
Tankstellenshop in Finnland

Das klappte soweit ganz gut, bis auf die Tatsache, dass wir den Tank auf viele Ansätze füllen mussten, wieso auch immer. Beim Bezahlen wechselten Jonas und Nils noch Münzen in finnische Euros und schon ging es um eine der wenigen Kurven ins nächste Land, über eine Brücke, über einen gefrorenen Fluss, durch den Wind, durch die Dunkelheit (ok, die Brücke war erleuchtet, aber das macht mir den Effekt kaputt). Angekommen in Schweden fanden wir vorerst die Idee sehr gut, auf der Grenze herumzulaufen, wenn sie schon so schön gefroren war. Wir mussten etwas graben, um uns vollends zu vergewissern, dass diese große, weiße Fläche auch ein Fluss war. Für alle Eltern, die jetzt Panik haben; wir mussten graben, um herauszufinden, ob die Spuren der Schneefahrzeuge nicht eine Art Parallelweg zur Brücke bildeten, was natürlich die Brücke zu einem gewissen Punkt ad absurdum geführt hätte (Markus: „eigentlich gar nicht!“), oder tatsächlich über den Fluss führten. Also eigentlich geht es um folgendes: Diese Spuren lassen mich zweifeln: Ist das ein Fluss oder ist es keiner?!  Die Grabaktion verhalf uns dabei zur Gewissheit. Ja. Fluss. Definitiv. Zugefroren. Ziemlich dick. Und windig. 40 Zentimeter mit Schnee bedeckt.

Schwedische Grenze
Schwedische Grenze
Zwei Menschen auf See
Zwei Menschen auf See
Der Beweis - es war Eis!
Der Beweis – es war Eis!
Eine übertriebene Richtungstafel - aber interessant. Der Moment, wenn Berlin doppelt so weit weg ist wie Murmansk...
Eine übertriebene Richtungstafel – aber interessant. Der Moment, wenn Berlin doppelt so weit weg ist wie Murmansk…

5. ABENDESSEN AN COOLER RASTSTÄTTE

Zwischendurch verloren wir in Schweden die Gewissheit, auf dem völlig richtigen Weg zu sein, schauten auf die Karte und erlangten sie wieder. Desweiteren fuhren wir um eine Kurve auf eine andere Straße, immerhin das dritte Mal auf dieser Reise (Wenn man den Stadtverkehr in Tromsø rauslässt). Da die Uhrzeit doch langsam Formen annahm, die ein Abendessen forderten, schauten wir uns nach einem netten Plätzchen um, bei welchem wir rasten konnten. Anders ausgedrückt; Wir fuhren geradeaus und beschlossen irgendwann, stehenzubleiben. Dort an dieser Raststätte, die deutsche Raststätten in Punkto Sauberkeit und Komfortabilität um Längen schlägt, stehen wir immer noch und Jonas verzweifelt über ein Personalpronomverbot. Zu Essen gab es Brot. Es ist gerade weniger windig. Und auch weniger kalt. Und auch weniger dunkel, denn wir stehen unter einer Lampe. Aber es liegt Schnee. Bald geht es weiter, wir werden heute wohl noch Kiruna erreichen, was wir niemals gedacht hätten. Da rechneten wir aber auch noch mit mehr Sternen. (Nils: „Mir gefällt nicht, was er sagt. Und auch nicht, was er ausdrücken will.“)

Unsere Raststätte zum Abendbrot
Unsere Raststätte zum Abendbrot
Unser Domizil
Unser Domizil

6. SCHLAFENGEHEN BEI KIRUNA

Die restliche Fahrt verlief verhältnismäßig unspektakulär, es war dunkel und windig und wir fuhren um die vierte Kurve. Nach kurzer Zeit erreichten wir schon Kiruna, die nördlichste Stadt Schwedens. Diese liegt nun zu unseren Füßen und wir haben beschlossen, hier Rast einzulegen, da es in den Folgekilometern nur noch heller werden würde, als es durch die Lichter des Kaffs eh schon ist. So stehen wir nun hier und versuchen zu schlafen. Bis morgen – in einem neuen Blogeintrag!

FORTSETZUNG (und Fotos zur letzten Episode) FOLGT MORGEN…

kupanda kwa bidii na nzuri furaha ya mwaka mpya

Also nun und heute der 31.12.15, letzter Tag des Jahres 2015. Entspannt standen wir in der Früh auf, frühstückten, Jonas ausnahmsweise Bananen und kein Müsli (Fairtrade-Bananen, sondern wären die ihm niemals genehmigt geworden) und redeten darüber, dass es bald Menschen geben kann, die 2000 geboren wurden und schon 16 sind. Dann fühlten wir uns wieder alt und ließen den Gedankengang. Im Folgenden saßen wir noch ein bisschen herum, schauten Karten an, räumten ein wenig auf und begannen, unsere Dreiländertour des nächsten Tages etwas genauer zu planen und zu durchdenken.

Schließlich fuhren wir dann aber los – wir wollten einen schönen Platz für den Abend finden, von wo aus man eine gute Sicht auf die Stadt hatte – zum Glück steht direkt hinter der Eismeerkathedrahle der „Fjellstua“ – der Hausberg von Tromsø, dort versuchten wir unser Glück Dass die Seilbahn derzeit außer Betrieb ist, wussten wir schon, weswegen wir versuchten, mit dem Auto so weit wie möglich nach oben zu kommen. Statt Parkplätzen fanden wir allerdings nur Wendeplätze, was die ganze Nummer schwerer machte. An Aussichtsmöglichkeiten mangelte es uns wahrlich nicht – wir wussten nur nicht, wo wir uns hinstellen sollten. In dem Moment begann die Idee zu keimen, mal den Aufstieg auf den Fjellstua auszuprobieren und für den Abend in Betracht zu ziehen. Gesagt getan parkten wir unser Auto ab und suchten nach dem Wanderweg. Wir fanden ihn recht schnell und auf ging es nach oben.

einsame Gestalt kämpft sich durch den Schnee
einsame Gestalt kämpft sich durch den Schnee

Der Aufstieg war härter als gedacht. Einerseits war der Weg sehr klein und schmal, andererseits lag überall Schnee, der dadurch, dass Tauwetter einsetzte noch rutschiger war als sonst. Außerdem waren Teile unserer Gruppe durch Belastungsasthma gehandicapt, was dem unbeschwertem Wandererlebnis auch im Weg stand. Deswegen muss man wohl eher sagen: Wir quälten uns den Berg hoch, unerbittlich getrieben von Jonas, während lauter Norweger an uns vorbeikamen und freundlich grüßten, was uns verwirrte, da sie das in der Stadt ja so gar nicht machten, eher das Gegenteil, da scheint Blickkontakt auf der Straße förmlich unhöflich zu sein.

Markus sammelt Steine - wie immer
Markus sammelt Steine – wie immer

Aber zurück zum Berg. Relativ weit unten fanden wir ein Plateau, was wir als guten Plan B für den Abend deklarierten. Dennoch wollten wir den Berg erzwingen, der uns allerdings dezent verwirren wollte. Immer wenn man fast oben war, kam man um eine Kurve und es kam noch ein gefühlt endloses Stück. Wir stapften durch den Schnee, am Gipfel kam auch noch Wind dazu, unser Ziel vor Augen, das langsam aber sicher näher kam.

Und dann waren wir da. Und man kann es nicht anders sagen – Die Aussicht war traumhaft. Erstmals konnte man die gesamte Insel Tromsøya überblicken, sehen wie groß Tromsø doch eigentlich ist und auch wirklich realisieren, wie weit man trotz Dunkelheit sehen kann. Jonas machte einige Fotos, auch für große Inselpanoramen (Die in der Bearbeitung übrigens erschreckend aufwendig waren!)

Die Bibliothek - meist Ort unseres Internets und schöne Architektur
Die Bibliothek – meist Ort unseres Internets und schöne Architektur
Zwei Recken vor der lichten Stadt
Zwei Recken vor der lichten Stadt
Jonas über Tromsø
Jonas über Tromsø
Tromsö von oben in sehr guter Auslösung ;
Tromsö von oben in sehr guter Auslösung ;

Der Weg nach unten machte wieder mehr Spaß. Am Anfang hatten wir ein wenig Angst in der Dunkelheit – es war nach 14 Uhr und dementsprechend Nacht- den Weg zu verlieren. Doch Passend zum Waldbeginn fanden wir uns auf dem Pfad ein und konnten entspannt nach unten laufen. Sagte ich entspannt?! Sagte ich laufen?! Also für Markus und Nils war es möglicherweise entspannt, Jonas trug dafür zu viel teueres Kameraequipment mit sich herum. Und gelaufen sind wir alle 3 nicht, sondern gerutscht, was das Zeug hält. Vor allem Am Anfang im steileren Teil gab es den Weg und eine Rutschbahn, die sicherlich 300 Meter in die Tiefe führte. Nils und Markus rutschten dort voller Enthusiasmus, Jonas rutschte unfreiwillig, weil er abrutschte und nicht mehr bremsen konnte. Es ist aber keinem von uns was passiert, Jonas hat geschimpft was das Zeug hält und nach guten 40 Minuten waren wir wieder unten – Doch etwas besser als die ca. 100 Minuten nach oben.

Doch damit war unsere Geheskapade ja noch längst nicht beendet. Wir wollten ins Kino, im das Wetter und ein paar Entfernungsaden unserer Tour zu googeln und den Blogeintrag des 30.12 hochzuladen. Also wieder über die Brücke auf die Insel und Richtung Kino – welches geschlossen war. Also auf zu Café Globus – von dem wussten wir, dass es sicher Free Wlan hat – das hatte zu. Also weiter durch die Stadt, während Nils mit seinem Tablett nach Free-Wifi suchte. Dann kam uns der Gedanke, dass die Touristinfo ja angeblich Internet habe. Hatte sie. An zwei alten Rechnern, die von einem echt faulen Systemadministrator gesperrt wurden. Du konntest nur den Internetexplorer öffnen, als anderen Programme und der Explorer waren gesperrt. Über den Ausführen-Dialog konnte ich dann allerdings Markus’ Stick öffnen, auf dem einerseits die Fotos und andererseits der Blogeintrag in *.txt Form gespeichert war, welchen ich dann im Browser öffnen konnte. Was dabei leider verloren ging waren Sonderzeichen und Umlaute, wie ihr ja mitbekommen habt. Da wir nicht mehr wirklich viel Zeit hatten, beließ er es dabei und versuchte nur noch Dinner for One herunterzuladen, was über Umwege dann auch klappte. Also wer auch immer dafür bezahlt wurde, mit dem Rechner nur begrenzte Dinge tun zu können: Er hat versagt! Aber es war ja in unserem Sinne und damit ok.

Im folgenden ging es eh schon nach Hause – es war schon wieder Zeit für das Abendessen. Heute zur Feier des Tages Käsefondue! Ohne genau zu wissen, was wir falschgemacht haben, war das zwar mehrphasig und ein wenig zu flüssig, aber durchaus angebracht und lecker. Markus verlor ein halbes Brot und kassierte 2,5 Stockhiebe, Nils verlor 1/5 Pilzstück und bekam einen, sonst passiert wenig, abgesehen davon, dass das Zeug gut und schnell sättigte und füllte. Jonas bearbeitet noch die Bergpanoramen und suchte Fotos für die Auswahl aus, dann war es eh schon wieder so weit, in die Eismeerkathedrahle zu gehen, um dort dem Neujahrskonzert zu lauschen.

Die Eismehrkathedrahle von oben
Die Eismehrkathedrahle von oben

Wir waren ein bisschen zu früh da, die Kirche war trotzdem schon gut gefüllt und wir entschieden uns am Ende für einen Randplatz, da unklar war, ob mehr auf der Empore oder im Altarraum vonstatten geht. Die Kirche von innen ist übrigens sehr schlicht und das große Glasmosaik kommt von drinnen auch nur so halb raus, aber deswegen waren wir ja nicht primär da. Das Konzert war wunderschön – eine Flötistin, eine Sopranistin und ein Organist/Pianist verzauberten die Kirche mit jedem Lied ein wenig mehr in einen ruhigen und träumerischen Ort, während sie aus ihren Instrumenten unterschiedlichste Klangfarben herausholten. Vor allem die Art und Weise, wie Flöte und Gesang sich umwebten begeisterte Jonas uneingeschränkt. Am Ende gab es dann Stille Nacht, zuerst auf Norwegisch, dann deutsch, dann englisch – in einer sehr eigenen aber wunderschönen Version. Und als sie dann zum Abschluss noch Auld lang syne anstimmten, war er wieder da, dieser magische Moment, als da nur noch man selbst war und die Musik und der Moment endlose erschien.

Eismeerkathedrahle - Orgel
Eismeerkathedrahle – Orgel
Eismeerkathedrahle - Altarraum
Eismeerkathedrahle – Altarraum

Doch dann war er vorbei und es ging nach Hause, wir als schlimme Traditionalisten mussten ja noch Dinner for One ansehen. Dieses Jahr war das Seherlebnis nur begrenzt gut, da wir eine andere und sehr pixelige Version hatten – die einzige, die Jonas downgeloadet bekommen hatte -aber besser als Nichts! Irgendwo geht es ja auch ums Prinzip. Und schon wieder ging es los, zu unserem erwählten Platze. So langsam bekamen wir Angst, da seit Einbruch der Nacht, also 14 Uhr geballert und geschossen wurde, was das Zeug hielt. Erstens sahen wir auf unseren Einkäufen nicht einmal Feuerwerkskörper im Sortiment und zweitens dachten wir langsam, vielleicht darf man ja nur am 31. feuern und am ersten ist alles aus aus und vorbei? Fragen über Fragen…

So sah das aus - 20 Minuten VOR Mitternacht!
So sah das aus – 20 Minuten VOR Mitternacht!

Als wir aus dem Auto ausstiegen war die Klangkulissen schon extremer als in Regensburg normalerweise nach Mitternacht. Nach 40 Minuten. Wir stiegen den Berg das Stückchen hinauf, konnten dabei ein kleines Stücken Polarlicht erhaschen und sahen auf die Stadt hinunter. Ein Inferno aus Batterien, überall. Noch 15 Minuten. Oben angekommen bot sich uns ein spektakulärer Anblick. Wenn die Nordnorweger sonst eher Menschen sind, die nicht so auf den Putz hauen und in sich gekehrt scheinen – an Silvester lassen sie die Sau raus! Ab 10 Minuten vor Mitternacht war quasi die ganze Stadt ständig in helles Licht gehüllt und über dem Fjord schwebten immer mindestens 10 rote Lichter aus Notsignalraketen (Von denen wir immer noch nicht wissen, ob die für solch einen Einsatz legal sind), die auch munter auf den Boden fielen und dort unvermindert hell weiterbrannten. Dennoch schien die Stadt nicht abzufackeln, soweit wir das von oben beurteilen konnten. Noch 3 Minuten bis Mitternacht. Wir waren der festen Überzeugung, das lässt sich nicht mehr toppen, als pünktlich zum Glockenschlag gepaart mit dem Klang nordnorwegischer Nebelhörner all der Schiffe am Hafen ein besonderes Licht unsere unsere Aufmerksamkeit erregte. Neben all den anderen kleinen Feuerwerken tat sich ein größeres an der Küste hervor, wir dachten uns zunächst nichts dabei doch immer mehr wurde klar: Da ist ein Profi am Werk! Spätestens als dann Herzen und Smileys den Himmel garnierten waren wir uns sicher. Und was für ein Feuerwerk der abbrannte! Sicherlich 10-15 Minuten erstrahlte die Stadt in buntesten Farben und stellte dabei das alljährliche Duftfeuerwerk in Regensburg um den Faktor 3-5 in den Schatten, so was haben wir noch nicht gesehen. 20 Minuten nach Mitternacht beruhigte sich alles allmählich wieder, die auf 2-3 Haushalte, die gefühlt seit 5 Stunden durchschossen – es ist mir ein echtes Rätsel, wie man sich um alles in der Welt man so viele Batterien leisten kann. Ihr bekommt einfach ein paar (viele) Impressionen geliefert:

Also ist es nun 2016. Wir begannen das Jahr mit einigen netten Telefonaten, die sich länger hinzogen als gedacht, aber allesamt sehr unterhaltsam waren. An der Stelle seien all diese Leute nochmal besonders gegrüßt! Des Weiteren ging es nach Hause, wo wir noch ein wenig räumten und dann ins Bett gingen.

Nun ist es schon fast 12 Uhr – in zehn Minuten weckt Jonas die anderen und bald beginnt unsere Tour de Nord!

Ich hoffe, ihr seit alle ohne Hals und Beinbruch ins neue Jahr gerutscht – habt eine schöne Zeit!